Rezensionen

Bei nachfolgenden Rezensionen zu Iffeldorfer Meisterkonzerten handelt es sich um Auszüge. Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne den kompletten Artikel per E-Mail zu.

Stefan Temmingh, Blockflöte | Wiebke Weidanz, Cembalo - 10.12.2016


Die Magie eines kleinen Hölzchens und eines großen Zauberers

von Dorothee Flege, Penzberger Merkur
 
[...] In diesem Jahr wurde nun endlich auch Stefan Temmingh, in Kapstadt geboren und seit 1997 Wahl-Münchener, ausgezeichnet als "Instrumentalist des Jahres". Dass er ein Ausnahmekünstler ist, wurde bei seinem Auftritt am Samstagabend im voll besetzten Saal der "Iffeldorfer Meisterkonzerte" schlagartig klar. Mit Wiebke Weidanz, Cembalo-Professorin an der Nürnberger Musikhochschule, als künstlerischer Partnerin auf Augenhöhe vervollständigte sich das Zuhörerglück. [...]
Temmingh hat etwas von einem Magier, einem Schlangenbeschwörer, wenn er sich in seinem dunkelblauen, mit Samtrosen besetzten Anzug mit voller Konzentration auf diese Musik einlässt. Das Leben wird zum langen, ruhigen Fluss, das Largo der Corelli-Sonate in A-Dur aus dem Opus 5 auch. Flanellweich sekundiert das Cembalo, hüllt liebevolle Zuwendung in eine weiche Wolke. Temminghs lange, filigrane Finger fliegen mit großer Eleganz über die Löcher. Winzig ist der Abstand bei rasanten Läufen,der Traum jedes Flötenlehrers wird hier wahr. [...] Tänzerisch leicht verbreitet sich die gute Laune, immer wieder zündet Temmingh in den schnellen Sätzen ein Feuerwerk barocker Verzierungskunst. Mit sichlichem Vergnügen schleudert er schon mal einen feschen Spitzenton in den verblüfften Saal. Fast jazzig swingt da auf einmal ein Tempo di Gavotte. [...]
Liebevoll korrespondiert Wiebke Weidanz dazu. Diese zwei Musikerpersönlichkeiten beschenkten ihr Publikum mit einem fantastischen Abend. Der Jubel ist immens.

Arcis Saxophon Quartett - 16. Juli 2016

 
Die begeisternde Bandbreite des Saxophons
von Julia Sextl Penzberger Merkur
 
[...] Dass das meist in Jazz und in der Unterhaltungsmusik eingesetzte Instrument auch in der klassischen Musik seinen berechtigten Platz hat, stellten die vier jungen Mitglieder des "Arcis Saxophon Quartetts" am Samstag abend im Gemeindezentrum klar: Claus Hierluksch (Sopransaxophon), Ricarda Fuss (Altsaxophon), Claudia Jope (Tenorsaxophon) und Jure Knez (Baritonsaxophon) boten den rund 300 Zuhörern ein anspruchsvolles, vielseitiges und mitreißendes Programm vom Barock bis zur Gegenwart. [...]
Am Ende gab's jubelnden Applaus samt Fußgetrampel [...]
 
 
Arcis Saxophon Quartett - in funkelnder Spielfreude
von Jörg Konrad - Kultkomplott
 
[...] Gestern Abend war das Arcis Saxophon Quartett zu Gast in Iffeldorf und brachte die "Konzerthalle" vor Ort so richtig in Stimmung.
Begonnen hat alles mit Johann Sebastian Bach und dem dreisätzigen Italienischen Konzert. Wunderbar das Ineinandergreifen der verschiedenen Saxophonstimmen, das feinsinnige Spiel mit der verflochtenen Melodik. Elegant, vituos und beseelt. Mit Alexander Glasunows Quartett für vier Saxophone fand ein Stück Eingang ins Repertoire, das speziell für die Holzblasinstrumente geschrieben wurde. Mit großen Melodienbögen eröffnete das Quartett dieses Stück, das sich in der Folge der drei Sätze hörbar an Dvorak, Brahms, Schuman und Chopin anlehnt und damit wie eine Reise durch die Musik wirkt. [...]
Ein Potpourrie der bekanntesten Melodien aus der Oper "Porgy and Bess" von George Gershwin. Hier konnte das Quartett musikalisch Vollgas geben. [...] Dabei wurde noch einmal der ganze kontrastrierende Tonumfang der verschiedenen Saxophone lebendig deutlich und die funkelnde Spielfreude, mit der sich die vier jungen Musiker ihrer Obsession widmen. Ein Finale, das einfach begeisterte.

 

Ton Koopman und Tini Mathot, Tasteninstrumente | Klaus Mertens, Bariton - 04. Juni 2016
 

In aufmüpfiger Frische
von Jörg Konrad Kultkomplott
 
Die Drei spielten ein großartiges Konzert, das alle körperlichen Strapazen und organisatorischen Mühen in den Hintergrund rücken ließen. Gestützt auf ein weit ausholendes Repertoire von Georg Friedrich Händel, Carl Philipp Emanuel und Johann Sebastina Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn zeigten Mathot, Koopman und Mertens in wechselnden Besetzungen ihre ganze Erfahrung und ihr Können. Die unterschiedlichen Klangfarben der Instrumente brachten immer wieder Veränderungen des Ausdrucks und damit auch der Stimmung mit ins Spiel. Virtuos, ohne aber die technische Versiertheit in den Vordergrund zu stellen, gaben die beiden Pianisten eine Lehrstunde in dem Fach, wenn es dies denn gebe, sich der Musik unter-, oder zumindest einzuordnen. Keine selbstgefällige Artistik, keine kitschigen allgemein rührenden Phrasen. Selbst dann, wenn Koopman ein Teil von Händels „Suite c-moll“ aufgrund des Fehlens der zweiten Stimme neu arrangiert. Es bleibt Händel, wenn auch auf eine etwas „modernere“ Weise interpretiert.
Die gemeinsamen Passagen von Ton Koopman und Tini Mathot erstrahlten in einem perfekten Fluss, faszinierten durch das beschwingte Ineinandergreifen von Tönen und Motiven. Dieses sich gegenseitig Bedingende und Ergänzende wirkte in seiner vollendeten Dynamik fast symbiotisch, wie aus einem Guss.
Der Bariton lässt mit seiner wunderbar schlanken, unaufgeregten, aber durchdringenden Stimme an all diesen Inhalten teilhaben. Dies passt genau zu der Aussage des Sängers, die er vor einigen Jahren in einem Interview der Zeitschrift CONCERTO tätigte: „Ich mag es, Dinge ohne viel Firlefanz und großes Drumherum auf den Punkt zu bringen.“ Und das wurde ganz besonders in den „3 Scottish Songs“ von Joseph Haydn deutlich. Diese „Folksongs“ besitzen eine fast aufmüpfige Frische, die direkt zu Herzen geht und nur durch die Zugabe „Sailors Song“ noch einmal überflügelt wurde.
(http://kultkomplott.de/Permalink/Artikel/875/#article_anchor_875)
 
 
Im Kern der Musik
Ein unvergesslicher Abend mit dem Niederländer Ton Koopman, Tini Mathot und Klaus Mertens im Gemeindezentrum

von Dorothee Flege, Penzberger Merkur
 
[...] Auch beim "Meisterkonzert" in Iffeldorf spürten die Zuhörer am Samstagabend vor allem eines, das zu den kostbarsten Gütern des Musizierens gehört: Wahrhaftigkeit. Ihm und seinen großartigen Mitstreitern, seiner Ehefrau Tini Mathot am Cembalo und Fortepiano, wie auch dem reinen Genuss schenkenden Bassbariton Klaus Mertens, geht es nie um Selbstdarstellung, sondern um Entdeckung und Entwicklung wunderbarer, auch weniger bekannter Werke. Es wurde mit einer solch einfühlenden Hingabe musiziert, mit so warmer Zuwendung auch für den Zuhörer gestaltet, dass dieser Abend zu den Iffeldorfer Glücksgriffen geriet. [...]
Haften blieb jedoch nicht nur die vielfarbige Leichtigkeit und Freude dieses Abends. Bachs G-Dur-Aria aus den vielgespielten "Goldberg-Variationen", das "Du bist bei mir" BWV 508 berührte in vollkommener Schlichtheit und Anteilnahme - man war auf einmal im Kern dieser Musik, getroffen und ganz umschlossen. [...]
Ein Abend, den man nicht vergisst.
 
 
 
Zwei Zeitalter im Duett
Das Konzert mit Ton Koopman in Iffeldorf bietet dem Publikum ein herausragendes Klangerlebnis
von Sabine Naeher, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Schon aus diesem Grund war der Abend ein besonderer. Und aufgrund der seltenen Gelegenheit, Cembalo und Hammerflügel nicht nur im selben Konzert, sondern sogar im selben Stück zu erleben. [...]
Ebenfalls, doch nicht gar so selten ist die Besetzung zweier Cembali, mit der das Künstlerpaar in einer Händelschen Suite das Konzert eröffnete. Bariton Klaus Mertens erwies sich sowohl in der barocken Literatur, die Koopman an Cembalo oder Orgel begleitete, wie in der (früh-)klassischen mit Mathot am Hammerflügel nach wie vor als der ausgesprochen subtile Gestalter, der er schon seit Jahrzehnten ist. Vom zartesten Piano bis zum leidenschaftlichen Aufbrausen und der gesamten Ausdruckspalette dazwischen gelang ihm alles scheinbar mühelos. Ganz besonders schön geriet der Bach-Block mit dem graziös-verspielten "Willst du dein Herz mir schenken" über die "Tobackspfeife", die den Thomaskantor als geerdeten Genussmenschen zeigt, bis zum innig zu Herzen gehenden "Bist du bei mir", zu dem Koopman passenderweise vom Cembalo an die Orgel wechselte. Die Aria aus den Goldberg-Variationen BWV 985 trug Koopman so unendlich nuanciert und mit tief empfundenem Ausdruck vor, dass man das weitere Stück (das allerdings abendfüllend gewesen wäre) geradezu schmerzlich vermisste.
Die ganz spezielle Klangmischung des Abends kam am Ende des Konzerts nochmals zum Tragen: Koopman hatte drei der Schottischen Lieder Haydns für Gesang und Klaviertrio für Cembalo und Hammerflügel arrangiert. Und zwar gelungen: Wer das Original nicht im Ohr hat, wird hier nichts vermissen. Und die drei Interpreten hatten offensichtlich großes Vergnügen dabei. Das heftig Beifall klatschende Publikum ebenso. Dafür wurde es mit einem weiteren schottischen Arrangement als Zugabe belohnt: Der "Sailor's Song" entfaltete ein virtuoses Tastenfeuerwerk. Wunderbarer Abschluss eines besonderen Konzerterlebnisses.
(http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/iffeldorf-zwei-zeitalter-im-duett-1.3021230)
 
 

Felix Klieser, Horn und Christof Keymer, Klavier - 23. April 2016

Virtuos am Horn
von Sabine Naeher, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Wenn Felix Klieser das Podium betritt, sich vor das auf Augenhöhe montierte Horn setzt, die Schuhe auszieht und den linken Fuß mit unglaublicher Gelenkigkeit ans Instrument führt, ist man kurz irritiert. Sobald er mit ebensolcher Selbstverständlichkeit wie Souveränität zu spielen beginnt, ist jegliche Verwirrung verflogen. Völlig organisch wirkt das - und spektakulär ist nur noch, wie schön der warme, weiche Hornklang den großen Raum im Gemeindezentrum Iffeldorf füllt. [...]
 
Rare Schönheit
von Heribert Riesenhuber, Penzberger Merkur
 
[...] Der 25-jährige ist in der Klassikszene schon eine anerkannte Persönlichkeit. Für seine Debüt-CD "Reveries", eingespielt mit Keymer, bekam er 2014 den "Echo-Klassik" als "Nachwuchskünstler des Jahres". [...]
Die Musik, die das Duo in Iffeldorf vorstellte, brachte die Vielfalt und Klangschönheit des Instruments zur Geltung. [...}
Mit einer traumhaft schönen Romanze Camille Saint-Saens verabschiedete sich das Duo vom Publikum.

Thorsten Johanns, Klarinette und das Auryn Quartett - 21. November 2015

Bizarre Entdeckungen und purer Wohllaut
von Heribert Muser, Penzberger Merkur
 
Während draußen erster Schneefall den nahenden Winter ankündigte, bot der Saisonabschluss der Iffeldorfer Meisterkonzerte am Samstagabend einen musikalischen Gang durch den japanischen Garten. Mit diesen Worten umschreibt der 1955 in Hiroshima geborene, in Deutschland ausgebildete Komponist Toshio Hosokawa seine Werke. Das kann man auch von seinem "Herbstlied für Klarinette und Streichquartett" sagen, mit dem die Musiker des "Auryn Quartetts" und Klarinettist Thorsten Johanns ihr höchst anspruchsvolles Programm begannen.
[...] Umso eindringlicher konnte man dann hören, welch geniales Netzwerk an Melodien und Harmonien der alte Johannes Brahms in seinem Spätwerk, dem Klavierquintett h-Moll op. 115, geflochten hat. Hier konnten die Musiker ihre in vielen Jahren entwickelte Kunst traumhaften Zusammenspiels voll entfalten und die Klangschönheit ihrer edlen Instrumente hörbar machen.  Und wie Johanns sich mit seiner Klarinette in den Streicherklang einfügte, war in allen Sätzen des an vielfältigen Stimmungen reichen Werkes, besonders aber im Adagio zu bewundern, wo der Klarinettist völlig losgelöst vom Notentext nur im Blickkontgakt mit dem Primarius sein schwerelos dahinschwebenden Melodien erklingen ließ.
Zwischen den zwei so gegensätzlichen Werken lief Beethovens Streichquartett c-Moll op. 18/4 ... Gefahr, gar nicht so recht zur Geltung zu kommen. Die Aufsässigkeit, mit der sich Beethoven hier von überkommenen gesellschaftlichen Bindungen lossagte und das heraufziehende 19. Jahrhundert andeutete, stellte "Auryn" jedoch deutlich heraus. In ihrer Schönheit und bisweilen auch Schroffheit glitten die thematischen Wendungen mühelos von einem Instrument zum anderen, um in jeweils anderem Licht zu erscheinen. Quartettspiel aus einem Guss.
Die mit heftigem Beifall erbetene Zugabe konnte nur eine Kostbarkeit des Klarinettenfans Mozart sein: der langsame Satz aus dem Klarinetten-Quintett A-Dur. Pures Schwelgen im Wohllaut!
 
 
Traumhaft schön
Das Kölner Aruryn Quartett und der Klarinettist Thorsten Johanns überzeugen in Iffeldorf
von Sabine Näher, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Am Samstagabend waren sie bei den Iffeldorfer Meisterkonzerten zu Gast, gemeinsam mit dem Klarinettisten Thorsten Johanns. Mit dem "Herbst-Lied für Klarinette und Streichquartett" des 1955 geborenen Komponisten Toshio Hosokawa eröffneten die Musiker . Keine leichte Kost: Fahle, ersterbende Klänge, wehklagende Klarinettentöne, schmerzliches Aufbegehren und Rückfall ins Lethargische. Die Instrumente flüstern, kratzen, stöhnen.[...]
Nach der Pause: Brahms' Klarinettenquintett h-moll. Das Allegretto entfaltet schwelgerisch-opulente Klänge, warme Cello- und hellperlende Geigensoli. Die Klarinette betört mit wunderbar weichem, rundem Klang. Das Adagio hat einen packenden Erzählton: Man lauscht einer spannenden Geschichte, deren Erzähler sich ergänzen, ins Wort fallen und begeistert zusammen stimmen. Das Andantino heiter aufgekratzt; der abschließende Variationensatz beleuchtet das mit großer innerer Bewegung vorgetragene Thema in immer neuen Facetten. Nach tosendem Beifall als Zugabe das Adagio aus Mozarts Klarinettenquintett: Ruhe. Frieden. Traumhaft schön. Und größtmöglicher Kontrast zum Eröffnungswerk.
 

Bruno Ganz | Kirill Gerstein - 02. November 2015

 
Zwei Meister in Iffeldorf
Standing Ovations für Bruno Ganz und Kirill Gerstein mit "Enoch Arden" von Richard Strauss
von Felicitas Amler, Süddeutsche Zeitung
 
Glückliches Iffeldorf: Einen Raum zu haben, in dem man einem Ifflandring-Träger eine Bühne geben kann; und dazu einen Verein, der einen so bedeutenden Schauspieler engagiert - und dann noch mit einem wahrlich nicht alltäglichen Werk. Ein großer Abend für die kleine Gemeinde. [...]
Bruno Ganz rezitiert diese britische Erzählung im Blankvers mal mit Tempo in einer Art Sprech-Legato wie auf einem Atem, mal getragen, mal ton- und trostlos, aber gelegentlich auch kraftvoll und mit anschwellender Stimme. Nie gibt er zu viel, stets bleibt es eine still erschütternde Geschichte. Das wird noch unterstützt durch die Stimme des Schauspielers, die nicht nur wegen ihrer Schweizerischen Färbung immer etwas Raues, Gebrochenes hat.
Der bedeutende und viel gefragte Pianist Gerstein untermalt dies feinfühlig mit der Strauss'schen Komposition, die teils zwischen, teil zu den Versen erklingt. [...]
Ein an Erkenntnissen und Hörgenuss reicher Abend.
 
 
Die Gefühle hinter den Sätzen
von Gerhard von K., Kultkomplott

[...] Nun waren der große Schweizer Charakterdarsteller und Träger des Iffland-Ringes Bruno Ganz und der in Russland geborene Pianist Kirill Gerstein in Iffeldorf, um das heute selten aufgeführte "Enoch Garden op. 38" einem neugierigen und gespannten Publikum vorzutragen. [...] Bruno Ganz fand mit seiner nuancenreichen Stimme sofort den richtigen ton. Dem geschraubten Text nahm er jede Verspanntheit. Sein ausdifferenzierter Duktus passte sich Handlung und Ablauf an, machte die Gefühle hinter den Sätzen erleb- und spürbar. Die stillen Momente des Glücks, wie die des Zweifels und die der Tragik. Er deklamierte mit ganzer Hingabe, tauchte ein in die leiseste Hoffnung und hinab in den größten seelischen Schmerz. Er spielte in seiner Rezitation mit dem Text, machte sich ihm untertan und gab ihm seine schicksalhafte Bedeutung.

Kirill Gersteins Klavierbegleitung (deren knappe Auslegung mit großer Wahrscheinlichkeit ein Grund dafür ist, dass dieses Stück in der Strausschen Fassung so wenig aufgeführt wird) wiederholte noch einmal klanglich das Geschehen, gab dem Gelesenen ein musikalisch emotionales Gerüst, beschreibend die Natur und empfindsam bis hinein in die Darstellung des Todes.
 
 
Bruno Ganz und der "Punckhht"
von Andreas Britting, Penzberger Merkur
 
[...] Der Abend ...begann mit einer echten Lesung: mit Auszügen aus W. G. Sebalds "Schwindel. Gefühle. Il ritorno in Patria". Bruno Ganz las den Titel mit jeweils einem prononciert behauchten "Punckhht" zwischen den Worten, was an dieser Stelle seine Schweizer Abkunft verriet. Danach richtete er seine Stimme mit Wärme und einem geschickten Zug zum Spannungsaufbau auf die Wanderung des Ich-Erzählers, der durch düsteres Schneetreiben einem Allgäuer Dorf zustrebt und dabei in tiefen Gedanken versinkt. Kongenial der Nachklang durch Kirill Gersteins herrlich vielschichtige Interpretation von Mussorgskys "Altem Schloss", bis der Rezitator Sebalds schmunzeln machende Beobachtungen zweier Café-Betreiberinnen anschloss.

"Enoch Arden" sah den Pianisten Gerstein in einer sensiblen Begleiterrolle, teils den Text untermalend, teils den Strophen zwischengelagert. Ohne Reim zwar das Epos, aber mit sprachlicher Rhythmisierung, die Bruno Ganz quasi naturgegeben zu treffen schien, als spräche er täglich in diesem durchkomponierten Sprachduktus über die Liebesleiden zwischen dem hilfsbereiten Philipp, dem draufgängerischen Seefahrer Enoch und der duldsamen Annie.
 
[...] Bruno Ganz verlebendigte mit verhaltenem Tempo den Gewissensdruck, mit rascher Gangart sprach er Hoffnungen und Zuspitzungen und mit unversehens laut herausgeschleudertem Ruf Verzweiflung und Wut: "Und wiederum des Sonnenaufgangs Pfeile und KEIN SEGEL!"
 
Fußgetrappoel mischte sich in den langen Beifall, den der dunkelblau-schlicht und fast übersehbar gekleidete Ganz freundlich aufnahm. "Es ist eigentlich nicht relevant, ob ich in einem kleinen Ort lese oder in Zürich, sobald die Technik funktioniert und das Publikum mitgeht", verriet der 74-Jährige und lobte: "Und das hat es hier gemacht."

Concerto Köln - 18. Oktober 2015

 
Iffeldorf: Concerto Köln - Eineinhalb Stunden Klangekstase
von Jörg Konrad, Kultkomplott.de
 
[...] Eineinhalb Stunden Klangekstase. Was für ein Erlebnis!
Auf dem Programm standen die Konzerte Nr. 2 bis Nr. 6, die das Ensemble wie aus einem Guss interpretierte. Was gleich mit den ersten Tönen auffiel war die weiche fast schmiegsame Dynamik des Spiels und ihre etwas tiefere Stimmlage, wie sie in der historischen Aufführungspraxis üblich war. Das Wechselspiel der Instrumente, die schier unerschöpflich scheinenden Klangvariationen innerhalb der einzelnen Sätze, der in mäßigem Tempo vollzogene ständige Aufbau von dramaturgischen Spannungsbögen und seine geschickte Auflösung zeugten von einer phänomenalen, in sich sehr homogenen Ensembleleistung, in der Virtuosität und Vitalität in einem engen wie ausgeglichenen Verhältnis standen. Das Concerto Köln variierte die tragenden rhythmischen Grundmuster und bewegte sich auf ihnen sicher wie auf einem stark gebauten Floß auf den unruhigen Gewässern des Lebens. Die feinen Strukturen und sorgsamen Intonationen waren überzeugend aufeinander abgestimmt, ohne dass das Werk aufgrund strenger Präzision an irgendeiner Stelle statisch wirkte. Auch nicht getrieben oder gar hektisch.
Faszinierend die einzelnen solistischen Leistungen, vor allem von Mayumi Hirasaki an der Violine (Konzert Nr. 4) und Gerald Hambitzer am Cembalo (Konzert Nr. 5). Und natürlich der strahlende, festlich gleißende Trompetenpart von Laura Vukobratovic (Konzert Nr. 2). Ein bewegender und berührender Konzertabend, der noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
 
 
"Concerto Köln" und das Geheimnis der Alten Musik
von Johannes Jais,  Penzberger Merkur
 
Sie haben ausschließlich Werke des großen Meisters Johann Sebastian Bach aufgeführt - und, obwohl "nur" die "Brandenburgischen Konzerte" Nummer 2 bis 6 erklangen, doch einen weiten Bogen gespannt. Das wiederum hat neben beeindruckender Technik vor allem mit der Besetzung inklusive historischer Instrumente zu tun. Im Ensemble "Concerto Köln" pflegen die Streicher eine besondere Bogentechnik, die sie perfekt beherrschen. Beides ist Voraussetzung dafür, Zuhörern das Geheimnis der Alten Musik nahe zu bringen - wie es am Samstagabend bei den Iffeldorfer Meisterkonzerten vorzüglich gelungen ist.
Wer dem impulsiven Roberto Fernandez de Larrionoa an der großen Violone auf die Finger und die Saiten schaut oder sich kurz mit Jean-Michel Forest (Kontrabass) unterhält, der bemerkt, dass die Streicher vor allem auf den tiefen Instrumenten kürzere Bogen haben und diese anders in der Hand halten: nicht unten am Frosch, sondern weiter oben. Das führt rhythmisch und tonlich zu einem charakteristischen Musizierstil, wie er vortrefflich zur Alten Musik passt, wozu nach Werken aus Mittelalter und Renaissance auch noch die Barockzeit zu zählen ist.
Mit weichem Ton füllte Konzertmeisterin Mayumi Hirasaki auf der Violine etwa beim "Brandenburgischen Konzert" Nummer 4 in G-Dur das Gemeindezentrum aus - egal, ob im Piano oder Forte. Dabei korrespondierte sie mit Cordula Breuer und Wolfgang Dey an der sogenannten Doppelflöte. [...]
Zwei Gamben kamen zuvor im "Brandenburgischen Konzert" Nr. 6 anstelle der Celli zum Einsatz. Tonangebend waren freilich Antje Sabinski und Aino Hildebrandt vom Bratschenregister. Die erste Violine wird ebenso wie die zweite in diesem Werk nicht besetzt. Die Bratschistinnen glänzten mit voluminösem Ton. Wer das technisch versierte Spiel der Damen erlebt hat, darf die unter Musikern gern verbreiteten Witze über langsame Noten der Bratscher getrost abhaken.
Deutlich größer war das Orchester mit 15 Mitwirkenden beim Konzert Nr. 2, wo Sylvie Kraus den Part der Solovioline übernahm. Clara Geuchen spielte Oboe, und die aus Serbien stammende Trompeterin Laura Vukobratovic glänzte mit strahlend hohen Tönen auf der historischen Trompete.
Die 400 Besucher im ausverkauften Gemeindezentrum - laut Veranstalter waren noch viel mehr Karten nachgefragt worden - spendeten lang anhaltenden Applaus. So manchem ist es an diesem Abend dank des namhaften Ensembles "Concerto Köln" so richtig bewusst geworden: das Geheimnis Alter Musik.

Stephan König - Chopin in Jazz - 08. August 2015

Stupende Virtuosität
von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
Im pechschwarzen Gewand betritt der Pianist den Saal, nimmt am Flügel Platz und beginnt zu spielen: Chopin, ganz klassisch, ganz traditionell. Und auf einmal schleichen sich "blue notes" in die Klavierkaskaden Chopins; Jazz-Harmonien erklingen in der linken Hand, Synkopen lockern den Rhythmus auf. Der Übergang erfolgt völlig organisch, wie selbstverständlich, und es drängt sich der Eindruck auf: So und nicht anders hätte Chopin seine Ballade fortgesponnen, hätte er 100 Jahre später gelebt. [...]
"Chopin in Jazz" war Königs Klavierabend überschrieben; trotz Gluthitze und Sommerferien war der Barocksaal im Kloster fast voll. Der Konzerttitel war eine glatte Untertreibung. Nicht nur bei Chopin fand König die Themen für seine Improvisationen, sondern auch bei Brahms und Liszt. Und es waren auch nicht nur Jazz-Elemente, mit denen der Pianist die klassischen Werke verfremdete. Das berühmte Thema des b-Moll-Nocturne erklang im Stil einer Bach-Invention, und das Regentropfen-Prelude wurde mit Harmonien untermalt, die von Debussy hätten stammen können. König kann also nicht nur verjazzen, sondern ebenso "verbachen" und "verdebussyen". [...]
Alles wird getragen von einer stupenden Virtuosität, einer unerschöpflichen musikalischen Fantasie und einer Kompetenz in allen Stilen, die staunen macht. Der begeisterte Schlussapplaus war mehr als verdient; König bedankte sich mit einer kleinen Improvisation über "Summertime", mit Jazzklängen erweitert. Gershwin weiter zu verjazzen - auf diese Idee muss man erst einmal kommen!
 
Traumhaftes jenseits der "Klassik-Konvention
von Andreas Bretting, Penzberger Merkur
 
[...] Der tosende Beifall bereits an dieser Stelle zeigte freilich, dass der Leipziger Pianist sogleich die Herzen erobert hatte. Zusätzlich fesselte er den Intellekt, den seine Jazzifizierungen der Klassik waren nie gleich strukturiert. [...]
Doch ohnehin überwogen die komplexen Einschübe, teils aus der Klassik selbst. Huschte da nicht etwas Bach durch eine Chopin-Ballade, oder hauchte die Begleithand einem "Ungarischen Tanz" nicht ein wenig "Walkürenritt" ein? [...]
Staunenswert auch der Dynamikumfang. Chopins Nuancierungen und Liszts Sehnsuchtston im "Liebestraum" - sie klangen noch weit sensibler als sonst, denn drumherum gab es teils donnernde Übergänge oder auch richtig pfiffigen Humor, als sich Wiener-Walzer-Klänge vorwitzig in die Variantionen drängten. Beglückt erlauschte man Königs innere Fröhlichkeit, seine technische Raffinesse, sein schier unerschöpfliches Repertoire. Dann "Summertime" als Zugabe, doch was schillerte da in der Begleithand? Vielleicht eine Ahnung von Glocken von Chopins Kartause in Valldemossa - aber vielleicht war diese Ahnung auch nur ein Traum an diesem traumhaften Abend.

 

ODEON Tanzorchester - 4. Juli 2015

 
Zum Jubiläum ein Fest der Nostalgie
von Magnuns Reitinger, Penzberger Merkur
 
Wie feiert man das Jubiläum einer der hochkarätigsten Konzertreihen in der Region? Die Veranstalter der Iffeldorfer Meisterkonzerte hatten zum 25-jährigen Bestehen ausnahmsweise nicht Ernstes von Bach oder Schubert, nicht Berliner Philharmoniker oder große Tenöre im Sinn - stattdessen röhrte am Samstagabend die "fesche Lola" durchs Gemeindezentrum, es wurde geswingt und gesteppt. Ein "unbeschwertes Sommerkonzert" mit Tanz hatte das Team um künstlerische Leiterin Andrea Letzing-Feßmann sich und dem Publikum geschenkt.
Unter Niveau blieben die Meisterkonzerte damit keineswegs. Gekommen war das "Odeon Tanzorchester", eines der führenden Ensembles in Europa, was Tango, Charleston und goldene Schlager betrifft. Die Profis um Geigerin und Kapellmeisterin Sissi Gossner pflegen die Musik der 1920er bis 40er Jahre so authentisch, dass sie Peter Kreuders Gassenhauer "Musik! Musik! Musik!" direkt von der Schellackplatte übernahmen, die zu Beginn kurz vom mitgebrachten Grammophon erklang. Ein so gewitzter wie gelungener Auftakt für ein Fest der Nostalgie. [...]
Insgesamt genossen über 300 Zuhörer das Jubiläumskonzert, in dem auch der Dank des Iffeldorfer Bürgermeisters Hubert Kroiß nicht fehlte: Er galt Egbert Greven, dem Gründer der Meisterkonzerte, ebenso wie der heutigen Leiterin Andrea Letzing-Feßmann. Letztere lud dann ein, gemeinsam anzustoßen: "auf die nächsten 25, 50, wegen mir auch 100 Jahre".
 
 
Iffeldorf: Odeon Tanzorchester - Stilsicher
von Joerg Konrad in Kultkomplott (www.kultkomplott.de)
 
[...] Gegründet Mitte der 1980er Jahre und seit 1992 unter der Leitung von "Sissy" Gossner, widmete sich der Klangkörper schon immer der Pflege deutscher und internationaler Tanzmusik jener Jahre. Allein aus Spaß, Überzeugung und Faszination. Mit Erfolg - wie gestern in Iffeldorf, anlässlich des 25. Geburtstags der dortigen Meisterkonzerte. [...]
Sissy Gossner und ihre Band spielten stilsicher und mit spürbarer Freude. Die flüssigen Interpretationen dieser zeitlosen Schlager und Standards vermittelten auch in ihren manchmal dem Zeitgeist geschuldeten Blödeleien (Das Nachgespenst) eine Leichtigkeit, der das musikalische Können und die handwerkliche Perfektion der Instrumentalisten zu Grunde liegt.
Diese musikalische Reise war wie ein Ausflug in die Unterhaltungslandschaft längst vergangener Zeiten. und ein Großteil der Songs, die am gestrigen Abend gespielt wurden, sind mittlerweile Klassiker der Tonkunst geworden. Tanzmusik im besten Sinn - wie im dritten Teil des Abends.

Kirill Gerstein - 21. Juni 2015

 
Ganz ohne Ganz
von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
[...] begann mit einer schwungvollen Interpretation von Robert Schumans "Carnaval", eines Werks aus zahllosen kleinen Facetten, wechselnd zwischen lyrischer Empfindsamkeit, mächtigem Auftrumpfen und virtuosem Tastenzauber. Souverän gestaltete Gerstein die vielschichtige Partitur, glänzte mit rasanten Läufen und Apreggien, lotete aber auch die musikalischen Tiefen des Werkes aus. Als am Ende der Beifall aufbrandete, hatte der Pianist das Publikum für sich gewonnen.

Nach der Pause steigerten sich pianistische Virtuosität und romantische Emphase nochmals bei den zwölf "Études d'exécution transcendente" von Franz Liszt. Wer sich unter diesen "Etüden" simple, monoton wiederholte Übungsstückchen vorgestellt hatte, sah sich auf das Angenehmste überrascht: Liszt wartete mit einer schier unerschöpflichen Fantasie an Klangfarben und Klaviereffekten auf. Gerstein wurde allen Nuancen der Musik gerecht, meisterte die halsbrecherischen Sprünge bei "Mazeppa" ebenso wie die sanften Klänge der "Ricordanza". Beim vorletzten Stück "Harmonies du soir" ("Abendharmonien") verschmolz die Musik mit der draußen hereinbrechenden Nacht zu einem Gesamtkunstwerk.

"Eigentlich hat man Bruno Ganz gar nicht vermisst", meinten einige Zuhörer zum Schluss. Auch wann das übertrieben sein mag: Es zeigt, dass es dem Pianisten gelungen war, die Enttäuschung in rückhaltlose Begeisterung zu verwandeln.
 
 
Ganz groß - auch ohne Bruno Ganz
Solo-Abend von Pianist Kirill Gerstein war mehr als ein Ersatz
von Andreas Bretting, Penzberger Merkur

  [...] An die Stelle der musikalischen Lesung zu Richard Strauss rückte der "Carnaval" As-Dur op. 9. Robert Schumann hat ihn französisch mit "scènes mignonnes" untertitelt. Gerstein spielte so, dass man in Iffeldorf "tolle Szenen" hätte hinschreiben mögen: überschwänglich wie auch noch die Randbereiche des Wahnsinns auslotend.
Prägnanz, Kraft und der unbedingte Mut zum Fortissimo - Gerstein mag diesen Charakterzug aus Russland mitgebracht haben, wo er 1979 in Woronesch geboren wurde. Gleichwohl machte der Pianist rasch deutliche, dass er ebenso mit Emotionen umzugehen weiß. Da schlichen sich kurios torkelnde Ton-Figuren durch den Karneval, da wurde plötzlich gescherzt oder gar zart geflirtet. [...]
Kirill Gerstein schuf überdies konzise Beziehungen zwischen den Motiven, kreirte Spannungsbögen und führte das Publikum durch Hell und Dunkel, als gelte es, mit der Interpretation einen akustischen Krimi zu gestalten. [...]
Im zweiten Part folgten die bereits im Regelprogramm vorgesehenen "Etudes d'exécution transcendente" von Franz Liszt, doch nun anstelle einer Auswahl in voller Länge. Über 65 Minuten hinweg absolvierte Gerstein einen Parforceritt voller Tempo und Inspiration. Pianistische Kraft wechselten mit feiner pianistischer Magie. So wurde ein Meisterstück der "schweren" Klassik ungemein plastisch und einnehmend - und an einer Stelle sogar sanft modernisiert, als das Motiv eines kippelnden Tänzchens unversehens nach Expressionissmus klang.
Es gibt sie also noch, die Pianisten, die mit eigenständiger Handschrift zu verzaubern verstehen. Reicher Beifall war Gerstein sicher. [...]
 

Julian Prégardien | Christoph Schnackertz - 9. Mai 2015

 
Ein Füllhorn der Empfindungen
von Claudia Koestler, Süddeutsche Zeitung
 
Freunde klassischer Musik durften sich bei den "Iffeldorfer Konzerten" wieder einmal glücklich schätzen: Mit Julian Prégardien und Christoph Schnackertz kamen zwei Künstler von internationalem Rang am Samstagabend in das voll besetzte Gemeindezentrum und begeisterten das Publikum mit einem Programm aus Heine-Vertonungen. [...] Doch auch die Qualitäten des Zusammenspiels von Prégardien und Schnackertz zeigten sich schnell, schon eingangs bei Mendelssohn Bartholdys "Auf den Flügeln des Gesangs": Klangstrom und Diktion sind bei Prégardiens fokussiertem Tenor gleichberechtigt, was ihm erlaubte, stimmliche Nuancen zwischen Kopf- und Körperresonanz ziseliert herauszuarbeiten, die im Klavier von Schnackertz ihre Entsprechung fanden. Prégardien gestaltete das Werk mit teils sorgsam gezügelter Kraft und trotzdem lebendig, zog alle Register seiner vokalen Kunst und legte stets offen, welch feine Dynamik und Sprachnuancen jeweils zur Entfaltung drängten. Solche Qualitäten zeigten sich auch im Klavierspiel von Schnackertz, dessen feinsinniges Legato und kongeniale Akribie das Zusammenspiel zu einem ausgesprochenen Genuss werden ließ. Mal sinnierend und sensibel, dann voller inniger Intensität, mal mit schillernder Kraft und dunklen Konnotationen, wurden die höchst unterschiedlichen Vertonungen zu einem kaleidoskopartigen Füllhorn menschlicher Empfindungen.
 
 

Heine pur im Wonnemonat Mai

von Dorothe Fleege, Penzberger Merkur
 
[...] Das erste Lob bei seinem beeindruckenden Liederabend in Iffeldorf verdient die Programmwahl. Ausschließlich Heine-Vertonungen hat er mit seinem Begleiter Christoph Schnackertz ausgewählt und dabei nicht nur auf die "klassischen" Romantiker gesetzt, sondern auch viel zu rar erklingenden Komponistinnen wie Clara Schumann, Alma Schindler-Mahler oder Fanny Mendelssohn einen klugen Platz eingeräumt. Den Exkurs auch abseits des gewohnten Schöngesangs bei Eissler, Ives und Killmeyer sucht er mit Verve und Empathie. Von dem spracheleganten Meister Heine, dessen Rezeptionsgeschichte schon als Abenteuer per se gilt, verneigt er sich in einer großartigen Mischung aus glühender Sehnsucht, jugendlicher Leichtigkeit, feinem Spott, augenzwinkernder Ironie und dramatischer Wucht. Zwischen edel gestaltetem Liedgesang von ganz feiner Klangkultur, kraftvoll suggestiver Balladen-Erzähldramatik und großer Operntheatralik changiert Prégardien hin und her. Dabei gibt es nie Zweifel an Artikulation, Stimmsitz, großbogiger Phrasierungskunst und einem unglaublich starken Ausdruckswillen. [...]
Und auch nach zwei Stunden Kunst- und Lebensgesang ist der 31-jährige Tenor nicht erschöpft, spendiert dem begeisterten Publikum augenzwinkernd Biermann- und Heinezitate und natürlich Schumann-Perlen. Bravo!
 

Ensemble Sarband | Modern String Quartet - 21. März 2015

 
Iffeldorf: Arabische Passion - Emotionale Botschaften
aus Kultkomplott (online)
 
[...] Das Ensemble Sarband überbrückte die Nahtstellen zwsichen Orient und Okzident, zwischen Tradition und Moderne, zwischen streng notierter Komposition und der Suggestionskraft des Jazz auf nachhaltige und beeindruckende Weise. Christliche, jüdische, arabische Kulturen klangen auf dem Bachschen Fundament mit Streichquartett und Rahmentrommel friedlich miteinander als eine in sich geschlossene Weltkultur. Es waren sich gegenseitig bedingende und inspirierende Klangspuren, die sich nicht aus einzelnen Trümmern zusammensetzen und damit dem mehr oberflächlichen Diktat des Crossover folgten. Ivanoff beherrscht als Freigeist die Kunst des organischen Umbaus der Vorgaben, zeigte dabei die Vielfalt und die Ähnlichkeit musikalischer Ursprünge und hatte in der aus dem Libanon stammenden Fadia el-Hage zudem eine Sängerin, die mit ihrer berückenden Altstimme die verschiedenen stilistischen Facetten und menschlichen Stimmungen in sich vereint zum Ausdruck brachte!
Diese Form der kulturenübergreifenden Offenheit wurde vom Publikum begeistert gefeiert.
 
 
Zwischen Orient und Okzident
von Dorothee Flege, Penzberger Merkur
 
Großen Anteil am Gelingen hat die Altistin Fadia el-Hage, die mit warm fließendem, tief dunklem Timbre deutsche Bach-Arien auf Arabisch singt. Es braucht erst eine Phase des Hineinhörens, bis sich für den Zuhörer ein Stück weit Hörheimat einstellt. Sie verhilft dieser manchmal sehr gutturalen Sprache, die von einem für nationale Ohren fremden Klanggerüst getragen wird, zu einer lautmalerischen Kraft, die Konsonanten wie von einem anderen Stern gepflückt erklingen lassen. [...]
Erstaunlich bruchlos gleitet man vom klassischen Choralsatz in den Tausendundeine-Nacht-Kosmos der arabischen Instrumente. Behutsam sind die Übergänge zwischen virtuoser Jazz-Improvisation, traumwandlerischen Sequenzen der aus Rohr gefertigten arabischen Längsflöte Nay, meisterhaft gespielt von Adnan Shanan, verspielten Violinsoli, großbogiger Cellokantilene und empfindsam vibrierender Rahmentrommel. Ein spannendes wie gelungenes Experiment - im traditionsbewussten Oberbayern.
 
 
Musikalische Versöhnung
von Claudia Koestler, Süddeutsche Zeitung
 
Für die Musik, die "nicht nur Dekor, sondern weltoffenes Medium gegenseitigen Respekts" sowie "ein Exempel des Friedens" sein wolle,hatten sich zwei prädestinierte Ensembles zusammengefunden: Vladimir Ivanoffs mehrfach preisgekröntes "Ensemble Sarband" und das auf stilistische Grenzüberschreitungen ausgerichtete "Modern String Quartet" von Jörg Widmoser. Ergänzt wurden die Instrumentalisten durch die libanesische Sängerin Fadia el-Hage. [...]
Atemberaubend agierte an diesem Abend allerdings das Modern String Quartet, während die Mitmusiker einen intensiv-empathischen Klangteppich ausbreiteten. Ihr Spiel war unaufhörlichem Wandel unterzogen, eine stete Kommunikation und ein gegenseitiges Herausfordern mit allerlei kammermusikalischen Feinheiten und großem Gespür für Wechsel und solistische Abenteuer. Dass die Musiker Freude am Experiment hatten, hörte man - ganz besonders in "Können Tränen meiner Wangen nichts erlangen" aus der Matthäus-Passion, wo Kommunikation und gegenseitige Herausforderung in einer eruptiven Mischung aus Konzept und sinnlicher Wirkung mündeten. Hier gelang es tatsächlich auch beispielhaft, die charakteristischen Klangfarben, Rhythmen und Harmonien der verschiedenen Weltmusiken zusammenzufügen. [...] Eine musialisch spannende Handreichung auf höchstem Niveau, mit einer klaren, ehrenwerten Botschaft. Dafür gab es lang anhaltenden Applaus und einzelne Bravorufe zum Dank.

Trio Karènine - 24. Januar 2015

 
Junge Musiker der Extraklasse
Furioser Auftakt der Iffeldorfer Meisterkonzerte mit dem Trio "Karénine"
lautet der Titel der Kritik im Penzberger Merkur, verfasst von Johannes Jais.
 
[...] schon der lang anhaltende Beifall drinnen im Saal belegte: Die drei jungen Musiker, allesamt Mitte 20, haben mit ihrem sagenhaften Auftritt den mehr als 300 Gästen einen Abend der Extraklasse beschert.
Die Künstler aus Frankreich interpretierten auf diesem Konzertabend Werke von Beethoven, Schumann und des türkischen Komponisten Fazil Say (geboren 1970). Eine Dreiviertelstunde dauerte das Klaviertrio B-Dur des großen Klassikers Ludwig van Beethoven, das besser unter dem Namen "Erzherzogs-Trio" bekannt ist.
Mit technischer Brillanz, impulsiv, mit weichen und dennoch stets kräftigen Tönen spielen Anna Göckel (Violine), Louis Rodde (Cello) und Paloma Kouider (Klavier) das Stück. Ergreifend die leisen Passagen, in denen die zwei Streicherstimmen oktaviert sind. Mal hat der Vortrag locker-duftigen Charakter - zum Beispiel bei den Pizzicato-Stellen -, mal steuert das Trio mit kräftigem Anschlag der im Rhythmus stets vorwärts strebenden Pianistin Paloma Kouider einem Höhepunkt entgegen. [...]
Robert Schumanns Klaviertrio Nr. 2, F-Dur op. 80 erklingt nach der Pause. Furios ist das Tempo beim Einstieg. Ansonsten beherzigen die drei Künstler konsequent, womit der zweite Satz überschrieben ist: "mit innigem Ausdruck". Im Vergleich zu Beethovens Werk vor der Pause wirkt Schumanns Klaviertrio dunkler, weniger heiter, mitunter melancholisch. [...]
"Space Jump" heißt das Werk mit drei Sätzen, das der türkische Komponist  Fazil Say unter dem Eindruck des Stratosphären-Sprungs von Felix Baumgartner aus 39 Kilometern Höhe geschrieben hat. Für die Musik zu dem Stratosphärensprung hat das Klaviertrio "Karénine", das 2013 den ARD-Musikwettbewerb gewann, zudem den Preis für die beste Interpretation dieses Auftragswerks bekommen. [...]
 
Ein beeindruckendes Werk voller Dramatik und ungewöhnlicher Klänge, aber mit höchsten Anforderungen an die Instrumentlisten. Nach dieser Aufführung ist ein Satz in der Zielsetzung der Meisterkonzerte durchaus zu erweitern: dass man neben der klassischen Literatur auch der Musik des 20. Jahrhunderts ein Forum bieten möchte. Jetzt auch der Musik des 21. Jahrhunderts.

Tölzer Knabenchor - 22. November 2014

 
Ein Höhepunkt der Meisterkonzerte
von Heribert Riesenhuber, Penzberger Merkur
 
[...] Auf dem Programm standen die sechs Motetten von Johann Sebastian Bach, über die es im Beiblatt zum Konzert heißt: "ihr Stellenwert in der Chorliteratur entspricht dem der Beethoven-Symphonien in der Orchesterliteratur". Und mit diesem Anspruch und dem Wunsch, der ursprünglichen Aufführungsweise zur Zeit Bachs möglichst nahe zu kommen, trat man in Iffeldorf auf die Bühne. Bravorufe und ausdauerndes Fußgestampfe waren die Begeisterungskundgebungen, mit denen das Publikum die Leistungen würdigte.
 

Munich Percussion and String Orchestra - 11. Oktober 2014

 
Im Rhythmus der Begeisterung
Als wären es lauter Zugaben: Furiose Klänge von "Munich Percussion and String Orchestra".

von Heribert Riesenhuber, Penzberger Merkur
 
[...] Im Publikum herrschte Begeisterung, was Shalaby wiederum seine Freude über die stürmischen Reaktionen zum Ausdruck bringen ließ. Denn schon die erste virtuose Perkussionsnummer ("Trio per uno"), in der Christian Benning, Patrick Stableton und Linda Philomène Tsoungui ein atemberaubend präzise an- und abschwellendes Klanggeflecht schufen, riss die Besucher mit. Zwei Marimba-Duette zählten zu den Höhepunkten des Abends: "Departures" von Emmanuel Sejourné und "Octabones for two marimbas"  von Adi Morag. [...]
Das Programm wirkte, als bestehe es durchwegs aus Zugaben - gespielt von einem Orchester. das aus lauter Virtuosen besteht. Dafür lange, stehende Ovationen in Iffeldorf.
 
 
Herzschlag ist Rhythmus - Rhythmus ist Herzschlag.
von Jörg Konrad, kultkomplott
 
[...] Von dem amerikanischen Jazzschlagzeuger Max Roach stammt der Ausspruch, er wolle mit seinem Instrument "mit dem Rhythmus tun, was Bach mit der Melodie getan hat". Das Munich Percussion and String Orchestra hat diesen Wunsch in Iffeldorf hörbar Realität werden lassen. Und das Publikum war völlig begeistert.

Lobo Guerrero y su gente flamenco - 09. August 2014

 
Stolz und Anmut
von Jörg Konrad, kultkomplott
 
[...] Sein Auftritt am gestrigen Abend im Barocksaal des Kloster Benediktbeuren war ein grandioses Beispiel authentischer Hingabe. Guerrero hat die Ursprünge des Flamenco  im Blut, hat dessen Tradition verinnerlicht, er beherrscht die Saitentechnik seines Instrumentes traumwandlerisch sicher und setzt gemeinsam mit seinen Partnern Rubio Montero (Gesang), Miguell Llobell (Percussion) und Daniela Lodani (Tanz) dies alles mit einem völligen Selbstverständnis um. [...]
Ein im wahrsten Sinne des Wortes „Meisterkonzert“, das, losgelöst von Zeit und Raum, die Aussage von Lobo Guerrero veranschaulichte: „Ich kann ohne Flamenco nicht leben!“

Quattrocelli - scenes - 05. Juli 2014

 
Spiel mir das Lied vom Cello
Die Formation Quattrocelli begeistert in Iffeldorf mit packender und humorvoll inszenierter Film-Musik
von Uta Schmidtsdorff, Süddeutsche Zeitung
 
"Schon vorbei?" kommt es bedauernd aus dem Publikum, als die vier Cellisten von Quattrocelli nach ihrer letzten Nummer "Misirlou" den tosenden Beifall in Empfang nehmen. Ein faszinierendes Klangspektakel der besonderen Art haben die sportiven Künstler bei ihrem Auftritt am Samstag im Rahmen der Iffeldorfer Meisterkonzerte im Gemeindezentrum Iffeldorf entfacht. Wer bislang die Vorstellung hatte, dass ein Cellist sein Instrument zum Klingen bringt, indem er es stabil im Boden verankert und mit dem Bogen über die Saiten streicht, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt.
Zu den Klängen von "Der Pate" wird ein Cello-Kasten flugs zum Sarg umfunktioniert.
Trommelnd wurde der ganze Klangkörper des Streichinstuments zum Drumset umfunktioniert; die Verwendung eines Plektrons für rasante Pizzicato-Akrobatik weckte spanische Gitarrenassoziationen, und ganz selbstverständlich versetzten die Musiker sogar im Gehen streichend ihr Instrument in Schwingung.
[...] Begleitende Elemente, lyrische Kantilenen und virtuos solistische Passagen wandern durch die Stimmen, so dass der Abend sich für alle vier Musiker gleichermaßen herausfordernd gestaltet. [...]
Komödiantische Elemente gewannen im weiteren Verlauf des Konzerts zunehmend Raum. Nino Rotas Musik zum Film "Der Pate" entführte in die mafiose Welt elegant grausamer Rachgelüste. [...]
Tödliche Absichten liegen ebenfalls dem weltberühmten Mundharmonika-Motiv aus Ennio Morricones Musik zur Verfilmung von "Spiel mir das Lied vom Tod" zugrunde. Schneidend erzeugten die Sekundreibungen eine schier unerträgliche Spannung, die sich jedoch durch eine komödiantische Verfremdung der Filmhandlung in erleichternde Heiterkeit auflösen durfte [...] so dass einem Happy End an diesem kurzweiligen Abend nichts mehr im Wege stand.
 
 
Fast zu schön, um wahr zu sein
"Quattrocelli" zeigen im Gemeindezentrum, dass sich Humor und musikalischer Anspruch vereinen lassen
Dorothee Fleege, Penzberger Merkur
 
Die zahlreichen Zuhörer, die sich am Samstag trotz Fußball-WM für den Besuch der Iffeldorfer Meisterkonzerte mit "Quattrocelli" entschieden hatten, wurden überreich belohnt. So lustvoll, wie der Name klingt, so glücksstiftend und schmackhaft ist die Begegnung mit den vier musizierenden Herren dieses Quartetts. [...]
 
Zur blühend aufseufzenden, dennoch nicht kitschig wirkenden Hable-con-ella-Melodie schwebt schwerleicht ein duftiges Pizzicato herein. Feine agogische Verästelungen, diffizil abgestimmt lassen einen Moment der Schwermut und Ernsthaftigkeit entstehen, der alle im Saal bannt und berührt. Quattrocelli hat ein ideales Timing für dramatische Steigerungen, eine riesige dynamische Bandbreite, agiert ungestüm im Duell auch Bogen gegen Bogen, zaubert ein herrliches Gershwin-Medley aus den Instrumenten. Da fliegt der Sommer in den Saal. Dass die Bühne von der Abendsonne überflutet ist, wenn sie ihre "Azzurro"-Zugabe schmelzen, ist schon fast zu schön um wahr zu sein.
 
 

Duo Salisburgo - 17. Mai 2014

 
Kunstvoll ohne jegliches Gekünstel
Das "Duo Salisburgo" bot einen zauberhaften, fast intimen Konzertabend im Gemeindezentrum
von Heribert Riesenhuber, Penzberger Merkur
 
Zwei Solistinnen, die sich beim Studium in Salzburg kennengelernt haben und seit mittlerweile zwölf Jahren als "Duo Salisburgo" auftreten, begeisterten am Samstagabend bei den Iffeldorfer Meisterkonzerten: Stephanie Schwarz (Harfe) und Janine Schöllhorn (Flöte). Mit Musik aus verschiedenen Regionen und Zeitaltern schufen sie an diesem Abend ihren eigenen Kosmos. Ob in Werken von Carl Philipp Emanuel Bach oder des Argentiniers Astor Piazzolla: Stets fanden sie Interpretationen, die ihrem feinen Klangbild entsprachen. Dazu passte auch das Licht der untergehenden Sonne, das die beiden Musikerinnen warm umstrahlte.

Ihr langer, gleichmäßiger Atem und flinke Finger ermöglichten es Janine Schöllhorn, virtuosen Läufen die Munterkeit eines plätschernden Baches zu verleihen. Der Klang der Flöte war bei ihr von einer unglaublichen Weichheit und Eleganz.. Die Präzision und das feine musikalische Gespür von Stephanie Schwarz sorgten dafür, dass dem Duo im gut gefüllten Gemeindezentrum ein ruhiges, fast intimes Musizieren gelang. [...]
 
Sichtlich Vergnügen bereitete es den Musikerinnen, als Zugabe Stücke von Astor Piazzolla, dem Erneuerer des argentinischen Tango, zu spielen: wundervoller Abschluss eines Konzertabends, den den Zauber dieser beiden Instrumente auf eine Weise fühlbar machte, wie es wenigen Musikern gelingt.
 
 
Iffeldorf: Duo Salisburgo - Glanzvolles Konzert
Rezension in KultKomplott (www.kultkomplott.de)
 
Hat die Harfe ein Imageproblem? Jein. Denn einerseits ist es wahr, dass es im Verhältnis wenig klassische Stücke für Soloharfe gibt. Das Instrument sorgt eher für bestimmte Klangfarben in Orchesterwerken, als dass es von der ersten Reihe aus brilliert. Aber es gibt die Möglichkeiten, Kompositionen zu bearbeiten und der Harfe ein breiteres Repertoire und damit stärkere Popularität zu bewerkstelligen. Und es gibt Stephanie Schwarz, die sich diesem Instrument mit Bravour und Leidenschaft stellt und keine Angst vor stilistischen Überschreitungen zeigt. Und es gibt drittens die Iffeldorfer Meisterkonzerte, die, wie gestern Abend, auch diesem Instrument ein solistisches Podium bieten und die Vielseitigkeit der Harfe und die Virtuosität einer Solistin wie Stephanie Schwarz in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Mit dabei und für den Erfolg dieses glanzvollen Konzertes zur Hälfte verantwortlich: Die Flötistin und mehrfache Preisträgerin Janine Schöllhorn. [...]
Neben der meisterhaften Beherrschung ihrer Instrumente, fesselte das Ineinandergreifen, das spielerische Miteinander des Duo Salisburgo. Janine Schöllhorns instrumentale wie technische Feinnervigkeit und Klarheit im Ton korrespondierte auf wunderbare Weise mit Stepanie Schwarz inspirierenden und sphärisch sanfteren Harfenklängen. Hier gab es keine begleitenden oder führenden Parts, sondern zwei gleichberechtigt agierende Musikerinnen, deren differenzierte wie dynamischen Qualitäten bestachen. Hat die Harfe eine Imageproblem? Nach diesem Abend ein eindeutiges: Nein!
 
 
Perfekte Harmonie
"Duo Salisburgo" gibt ein ungewöhnliches Konzert
von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Bei der nachfolgenden Fantasie von Camille-Saint Saens, die eigentlich eine Violine anstelle der Flöte vorsieht, sah sich der Hörer vom ersten Ton an in eine andere Welt versetzt. Auch wenn der Komponist den Impressionismus ablehnte, so konnte er sich dieser Zeitströmung doch nicht ganz verschließen. Hier konnte Schwarz mit funkelnden Glisandi glänzen, und Schöllhorn machte mit großen Melodiebögen und langem Atem vergessen, dass der Part nicht für die Flöte geschrieben ist. [...]

Das Programm klang aus mit einer Sonate des Italieners Nino Rota - vor allem als Filmkomponist bekannt - und zwei Tangos von Astor Piazzolla. Beide Komponisten haben Flöte und Harfe gleichberechtigt mit anspruchsvollen Aufgaben bedacht, und "Duo Salisburgo" zeigte perfekte Harmonie im Zusammenspiel. Als Zugabe gab es noch ein Werk von Piazzolla zu hören. Ein gelungener Konzertabend mit einer ungewöhnlichen, aber gut harmonisierenden Instrumentenkombination.
 
 

Concerto Melante - Mitglieder der Berliner Philharmoniker -
15. März 2014

 
Lehrstunden in Sachen Bach
Das herausragende Ensemble "Concerto Melante" und ein geschickter Erklärer glänzten mit "Das musikalische Opfer"
so lautet die Überschrift der Rezension von Heribert Muser im Penzberger Merkur.  Daraus zitieren wir:

"Das musikalische Opfer" ist die vorerst letzte große Komposition von Johann Sebastian Bach. [...] Nach zwei Flötensonaten stand dieses Meisterwerk am Samstagabend im Mittelpunkt des zweiten Iffeldorfer Meisterkonzerts 2014. Nun erschließen sich die komplizierten Fugen und Canones auch geübten Hörern nicht auf Anhieb, heißen doch die zwei berühmten Fugen des Werkes "Ricercare" (deutsch: "Herausfinden!").So war es äußerst dankenswert, dass sich in Professer Christoph Wolff der derzeit wohl beste Kenner des Bach'schen Werkes als Moderator und Erklärer des Programms zur Verfügung stellte. Mit großem pädagogischen Geschick, unterstützt von den Musikern des Ensembles "Concerto Melante", erklärte er den Aufbau der einzelnen Stücke so einleuchtend, dass der Abend zu einer glänzenden Lehrstunde in Sachen "Bach" wurde.

Dass die Musik dabei nicht muskalisch gelehrsam klang, war das Verdienst der vier hervorragenden Musiker. Auf ihren historischen Instrumenten enthüllten sie (zur Hälfte Mitglieder der Berliner Philharmoniker) die verborgene Schönheit der kunstvollen Gebilde. Präzise, klar und klangvoll entwickelten sich das "königliche Thema" und seine Verarbeitung. Dem Cembalisten Leon Bergen fiel die Aufgabe zu, neben dem dreistimmigen auch das sechsstimmige "Ricercare" sinnfällig zu interpretieren. Mit überschäumender Musizierlust und perfektem technischen Können begeisterten Verena Fischer (Traversflöte), Raimar Orlovsky (Barockvioline) und Uli Wolf (Gambe) schon vor der Pause mit ihrer Darbietung der Flötensonaten G-Dur und e-Moll.
 
Die das "Musikalische Opfer" abschließende Trio-Sonate geriet zum Glanzstück Bach'scher Kammermusik. Die Grundthematik wurde von allen Instrumenten fein ziseliert herausgearbeitet. Dabei bestätigte Verena Fischer mit ihrem ebenso virtuosen wie duftigen Spiel auf der Traversflöte die Meinung Wolffs, dass der Preussenkönig, hätte er diesen Flötenpart je bewältigen wollen, ganz schön hätte üben müssen. Für den überaus herzlichen Beifall der gewohnt zahlreichen Zuhörer bedankten sich die Musiker nicht nur mit einem kleinen Canon als Zugabe, sondern auch mit dem Geständnis, sehr gerne in Iffeldorf zu musizieren.
 
 
Reinhard Szyszka von der Süddeutschen Zeitung betitelt seine Rezension so:

Barockes aus Berlin
Vier Berliner Philharmoniker bringen das Concerto Melante als reines Bach-Programm nach Iffeldorf.
 
Daraus zitieren wir für Sie:
[...] Im zweiten Teil folgte dann der Höhepunkt des Abends: das musikalische Opfer.
Christoph wolff erläuterte die Entstehungsgeschichte des Werkes. Er stellte auch die vermutliche Urform des Themas vor, das Bach von Friedrich dem Großen zur Fugen-Improvisation vorgelegt bekommen hatte. Anschließend schlug die Stunde von Léon Berben am Cembalo. Der Künstler trug sowohl die dreistimmige als auch die sechsstimmige Fugenfassung mit stupender Virtuosität vor. Der Beifall ließ sich nach der dreistimmigen Version etwas zögerlich an; nach der sechsstimmigen brandete er um so heftiger auf.
 
Das Musikalische Opfer enthält auch eine Reihe von Kanons, die bei Konzertaufführungen meist nur vorüberrauschen und beim Hörer das schale Gefühl zurücklassen, ohne Noten in der Hand das Wesentliche zu verpassen. Diesmal war es, dank der Erläuterungen von Christoph Wolff, anders. Der Experte verdeutlichte nicht nur die Besonderheiten jedes einzelnen Kanons, er ließ auch zunächst die Themen einzeln vorstellen, bevor der Kanon dann als Ganzes erklang. Diese Werke sind nicht nur verblüffende Zeugnisse der eminenten Kunst Bachs, sondern zugleich schöne, erfüllte Musik.
 
Waren bei den Kanons zumeist nur zwei oder drei Musiker beschäftigt,  so fanden sich zum Abschluss wieder alle vier Künstler zusammen und spielten die Triosonate aus dem Musikalischen Opfer, zweifellos der Höhepunkt Bachscher Kammermusik überhaupt. Und hier waren die Musiker in ihrem Element, brachten Bachs Musik zum Klingen und setzten die Errungenschaften der Alte-Musik-Bewegung in undogmatischer Weise um.
 
Alles in Allem ein gelungener Bach-Abend, und es ist schade, dass man barocke Kammermusik nicht öfter hört.

Sebastian Hess, Violoncello - Moritz Eggert, Klavier - 18. Januar 2014

Wilde Ekstase und noble Eleganz
von Heribert Muser, Penzberger Merkur
 
[...] denn was er bei aller Virtuosität und Exzentrik seines Klavierspiels an Expressivität und Sinndeutung zu bieten hat, zeigte sich ebenso eindrucksvoll bei der Aufführung der "klassischen" Werke des Abends. Jede Note nicht nur im Anschlag, sondern auch in der Gestik ausdeutend, bot Eggert dem Cellisten starke Anreize, aber auch eine freie Plattform, die klangliche Schönheit des Instruments mit großen melodischen Bögen auzukosten.
Sebastian Hess tat dies mit traumhafter Technik, nobler Eleganz und - so schien es gelegentlich - mit bewusstem Understatement, der er der totalen Extrovertiertheit des Pianisten entgegensetzte. [...]
Begeistert verlange das Publikum im voll besetzten Gemeindezentrum nach einer Zugabe. Mit einem gefühlvollen Lied ohne Worte von Mendelssohn endete ein Abend, der sich mit vollem Recht "Meisterkonzert" nennen durfte.
 
 
Schlüssige Lesart
von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Dennoch wagte es Andrea Letzing, künstlerische Leiterin der Iffeldorfer Meisterkonzerte, die neue Saison mit der Kombination Cello und Klavier zu eröffnen und dazu Sebastian Hess und Moritz Eggert einzuladen. Mit Erfolg: Das Konzert war gut besucht, der Bayerische Rundfunk zeichnete auf. [...] Zu Beginn eine späte Sonate von Claude Debussy - und wer "La mer" im Ohr hat, rieb sich erstaunt die Augen: So herb bis an die Grenze der Atonalität klingt der Spätstil dieses Komponisten.
Dann folgte eine frühe Sonate von Ludwig van Beethoven, und auch hier betonten die Musiker die Modernität. Sie lieferten eine mitreißende und schlüssige, dabei durchaus gewöhnungsbedürftige Lesart mit enormen dynamischen Kontrasten.
Den Abschluss bildete die große Sonate von Sergej Rachmaninov. Und hier holten Hess und Eggert alle lyrischen Versenkungen, allen melodischen Schmelz nach, den sie bei Beethoven bewusst ausgespart hatten. Wunderbar die weit gespannten Themen im langsamen Satz, ebenso der hymnische Aufschwung am Ende. [...}
 

Tertis Viola Ensemble - Concerto Fantasy - 14. Dezember 2013

 
Kein Bratscherwitz - Das Tertis Viola Ensemble bei den Iffeldorfer Meisterkonzerten
von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Gleich vier solche Bratscher aus Überzeugung und Leidenschaft gab es am Samstag in Iffeldorf zu hören und zu sehen. "Tertis Viola Ensemble" nennen sie sich, nach dem englischen Bratschisten Lionel Tertis. Und wer die vier gehört hat, der musste seine Vorurteile über Bratschen und Bratscher gründlich revidieren.

Das Programm lebte von Gegensätzen. Zu Beginn ein Konzert von Telemann, trocken und fast ohne Vibrato gespielt. Dann folgte als größtmöglicher Kontrast das "Fantasy Quartet" von York Bowen, und hier tönte alles warm, strömend, geradezu schwelgerisch. Man rieb sich die Augen: können dieselben Instrumente wirklich so unterschiedliche Klänge hervorbringen? Sie können- wenn sie von Meistern gespielt werden. [...]
Unbestreitbarer Höhepunkt aber war "Four, for Tango" von Astor Piazzolla. Mit atemberaubenden Glissandi und ostinaten Rhythmen zeigten die Künstler, dass sich ein Bratschenquartett eben nicht durch Eintönigkeit, sondern durch Vielfalt und ein weit gefächertes Klangspektrum auszeichnet.
 
Die vier Musiker des Tertis Viola Ensemble sind seit Jahren Mitglieder der Münchner Philharmoniker, und sie haben die Klang- und Ensemblekultur dieses Eliteorchesters in die Kammermusk übertragen. [...]
 
 
Vier Bratschen, ein Genuss
von Katrin Fügener, Penzberger Merkur
 
Zwei Jahre sind sicher zu früh für große Feierlichkeiten. Doch lässt sich nach zwei Jahren "neue" Iffeldorfer Meisterkonzerte sagen, dass Andrea Letzing der Anschluss an den meisterhaften Vorgänger bestens gelungen ist. Ausgezeichnete Interpreten und ungewöhnliche Konstellationen sind ihr Erfolgsgeheimnis - das hat sich am Samstagabend einmal mehr bewahrheitet. [...]
Was für Violine geschrieben werde, sei meist auch auf der Bratsche hörbar, sagte Sellheim, der als charmanter Conférencier durch das Programm plauderte. Er untertrieb. Die vier von "Tertis" haben den wunderbar warmen Klang der Bratsche in Iffeldorf eindringlich und genussvoll nähergebracht und auch deren Bandbreite, die mit einem schwungvollen Blues als Zugabe noch erweitert wurde.

Singer Pur - Musica Nova - "Neue Musik" damals und heute -
28. September 2013

 
Meister des Gesangs - und der Spontanität
von Magnus Reitinger, Penzberger Merkur
 
Meisterhaft zu musizieren, ist das eine. Echte Meister müssen auch meisterhaft reagieren können. Insofern war das Iffeldorfer Meisterkonzert mit dem Vokalsextett "Singer Pur" am Samstagabend wahrhaft meisterlich. Weil wohl noch nie so rein, so perfekt gesungen wurde im Iffeldorfer Gemeindezentrum wie an diesem Abend. Aber auch weil "Singer Pur" gleich doppelt umdisponierten. Nachdem Tenor Manuel Warwitz wegen Krankheit ersetzt werden musste, war das Programm schon vor Beginn geändert worden. Nach der Pause schmissen die Sänger dann auch die Ersatzplanung komplett um. Klingt nach Chaos, verschaffte in Wahrheit aber ein stimmiges, ein unvergessliches Meisterkonzert. [ ]
 
Das war technisch perfekt, ohne jeden Tadel, es ließ staunen über fünf Stimmen, die traumhaft aufeinander eingesungen sind und in die sich auch "Ersatztenor" Gerhard Hölzle als sechste Stimme gut einfügte.
Und doch: So kunst- und klangvoll die alten Madrigale warben, so sehr auch etwa Arvo Pärts moderne Klangmeditation mit dem immergleichen Satz "Most Holy Mother of God save us" in ihren Bann zog - dieses Programm erreichte nicht die Herzen aller Zuhörer. Und das spürte das Ensemble. In einer "sehr kreativen Pause", wie Bariton Reiner Schneider-Waterberg zu Beginn des zweiten Teils sagte, habe man das restliche Programm komplett über den Haufen geschmissen.
Statt weiterer Gegenüberstellungen im Stil der ersten Hälfte gab es nun eine spontane "Welt- und Zeitreise durch die Liebeslyrik der Jahrhunderte" - man könnte auch sagen eine Art "Best of Singer Pur", soweit es ohne sechste Stamm-Stimme möglich ist. Das war ein "großer Spagat", wie die Sänger einräumten, doch es war die richtige Entscheidung. Hochromantisches von Felix Mendelssohn Bartholdy ("Abschied vom Walde") und Brahms' "In stiller Nacht" drangen nun wirklich in jedes Herz. Sogar an ihre jazzigen Anfänge - seinerzeit noch eine reine Männersache ehemaliger Regensburger Domspatzen, ehe die wunderbare Sopranistin Claudia Reinhard dazustieß - erinnerte die Gruppe mit "London by night" und Cheek to cheek". Das war Schwelgen auf höchstem Niveau.
Sollte anfangs nicht applaudiert werden, um die Stille zwischen den Stücken auszukosten, so gab es nun den verdienten Beifall. Darauf ein schwedisches Lied als Zugabe - und am Ende auch stehende Ovationen für ein von manchen ersehntes, aber so von niemandem erwartetes Meisterkonzert.
 
 

Georg Christoph Biller, Ute Loeck, Stephan König: Chansonettes mit Bach - 17. August 2013


Gelungenes Crossover
Beifallstürme für "Chansonettes mit Bach"
von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Ein Crossover der ganz anderen, besseren Art gab es am Samstag im Barocksaal von Kloster Benediktbeuern.
Für den amtierenden Thomaskantor Georg Christoph Biller liegt die Mischung unterschiedlicher Musikrichtungen in der Familie, ist seine Ehefrau Ute Loeck doch eine sehr erfolgreiche Chansonsängerin. Dies mit der strengen Bach-Pflege des Herrn Gemahl zu verbinden - kann das gut gehen? Die beiden haben es gewagt. Als Dritter im Bunde fungierte der Pianist Stephan König, der in beiden Genres gleichermaßen zu Hause ist. Der Abend stand unter der Überschrift "Chansonettes mit Bach" und trotz der Urlaubszeit war der Saal fast voll.
Ein fulminanter Beginn: die Chansonette trat auf und kündigte ihren Pianisten an - doch der kam nicht. [...] Die Sängerin ...entsandte einen Notruf und ein Stoßgebet gen Himmel. Mit Erfolg: kein geringerer als Johann Sebastian Bach persönlich erschien, um gemeinsam mit seinem Sohn Wilhelm Friedemann den Abend zu retten. Die Bedenken der Chansonette ob der unterschiedlichen Musikstile wusste Bach zu zerstreuen. "Wir kennen alles", erklärte er. "Wir haben von oben aus alles verfolgt, und da gab es nicht nur Gutes!"
Wilhelm Friedemann Bach alias Stephan König trat den Beweis an, dass sich die Klassik mit der Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhundert bestens verträgt. Jedes der nun folgenden Stücke begann mit einer Einleitung, meist aus einem Werk von Bach, und ging dann nahtlos, bruchlos in das Chanson über. Ute Loeck sang mit rauchiger Altstimme, hauchte, flüsterte, girrte und seufzte ins Mikrofon. Da saß jeder Augenaufschlag, jede Mundbewegung, jede Geste. Mit leichter Hand servierte sie ihre Lieder, ob Elton John, Edith Piaf oder Friedrich Hollaender, ob englisch, französisch oder deutsch. Und wenn das Lied zu Ende war, fiel der Pianist wieder in den klassischen Stil der Einleitung zurück, als wäre nichts gewesen.
Johann Sebastian Bach alias Georg Christoph Biller begnügte sich nicht damit, Sängerin und Pianist anzuspornen, sondern begann nach kurzer Zeit selbst mit sonorem Bass zu singen. Zunächst natürlich "eigene" Werke: Arien aus Kantaten, Lieder aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena. Im Laufe des Abends schien sich sogar eine Liebesbeziehung zwischen dem Komponisten des 18. und der Chansonette des 21. Jahrhunderts anzubahnen, und die beiden tauschten ihr Repertoire: Ute Loeck sang jetzt Bach-Werke, und Bach antwortete mit neuzeitlichen Chansons. Biller war gesundheitlich angeschlagen, kämpfte aber wacker dagegen an und stellte die Figur seines großen Amtsvorgängers im Thomaskantorat überzeugend auf die Bühne.
Die Krone aber gebührt Stephan König am Klavier. Mit welcher Selbstverständlichkeit der Pianist von Bach und Mozart zu Jazz und Rock wechselte und wieder zurück, wie er gekonnt die Stile mixte und in allen Genres zu Hause war: das musste man erlebt haben. Seine Improvisationen über den ersten Satz von Bachs Italienischem Konzert rief Beifallstürme hervor.
[...] Insgesamt ein höchst vergnüglicher Abend, noch im Hinausgehen summten die Zuhörer schmunzelnd die soeben gehörten Melodien vor sich hin.
 
 

KS Martin Petzold, Tenor und Martin Hoepfner, Gitarre: Verstohlen geht der Mond auf - 27./28. Juli 2013
 

Ein Publikum mit Herz und Stimme
Claudia Koestler / Tölzer Kurier / Münchner Merkur
 
 [...] abseits der Publikumreihen ließ sich prima beobachten, was im Barocksaal anderes aufging als der Mond: der Knoten, sich selber im Gesang zu probieren. Die Begeisterung und Dynamik des Publikums ließen dabei staunen: Wer befürchtet hatte, hier würde nur etwas Vergangenes wiederbelebt werden, sozusagen auferstanden aus Ideen von Gotthilf Fischer, der täuschte sich.
Petzold und Hoepfner ließen die Anwesenden ohne große Erklärungen mit einsteigen. Und wie sie einstimmten! "Kein schöner Land in dieser Zeit" aus 120 Kehlen, ohne Scheu, dafür aber mit Verve und Vitalität. "Das gibt es nur in Bayern", begeisterte sich Petzold über das Fehlen jeglicher Hemmschwellen. [...] Man hat schon etablierte Chöre mit schlechterer Dynamik und Intonation gehört als diesen spontanen Zusammenschluss.
Das war natürlich Petzold und Hoepfner geschuldet. Sie gingen mit kräftiger, nobler Stimmführung und pulsierend klarem Klang voran. Auch der Spaß blieb nicht auf der Strecke, etwa, wenn Petzold zwischendurch bei "Horch was kommt von draußen rein" juchzte und jaulte. All das trug dazu bei, dass die Werke lebendig und frisch wirkten und die Anwesenden das beseelte Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekamen. Sogar bei der trotzdem einzig standhaften Nicht-Sängerin im Raum.  Denn: Kunst ist immer dann am schönsten, wenn sie gekonnt leicht und locker serviert wird. Kein Wunder also, dass Benediktbeuern die beiden kaum gehen lassen wollte. Der rauschende Applaus ist durchaus als Wiederholungswunsch zu verstehen.

Quartet New Generation "Fantasie in Symmetrie" - 29. Juni 2013

 
Hast du Töne!
 Das Quartet New Generation demonstriert bei den Iffeldorfer Meisterkonzerten die vielseitigen Möglichkeiten und Varianten der Blockflöte
Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
[...] Das Quartet New Generation, vier junge Frauen aus dem ostbayerisch-österreichischen Gebiet, zeigte dem staunenden Publikum die ganze Vielfalt der Blockflöte, hinsichtlich der Bauart wie auch der Spielweise. Die große Halle im Gemeindezentrum war ausverkauft, und im Publikum tummelten sich viele Kinder, die zum Teil ihre eigenen Erfahrungen mit der Flöte gemacht hatten.
Auf der Bühne waren an die 40 verschiedene Blockflötenarten geschickt angeordnet, vom spannenlangen Winzling bis zum zwei Meter großen Ungetüm. [...]
Doch die Instrumente waren nicht nur zum Ansehen da, sondern die vier Spielerinnen wussten auch geschickt mit ihnen umzugehen. Das Programm erstreckte sich vom Frühbarock bis zur Gegenwart, darunter einiges, was eigens für das Quartet New Generation geschrieben wurde. [...]
Diesmal wurden die Blockflöten konventionell gespielt, doch es war geradezu unglaublich, welche Klänge sich aus den Instrumenten herausholen ließen. Das Werk begann mit einzelnen, scheinbar zusammenhanglosen Tönen, die sich aber schnell zu Klangflächen verdichteten. Virtuos wechselten die Spielerinnen von einem Instrument zum anderen. [...]
Andrea Letzing, die Leiterin der Konzertreihe, stand früher Blockflöten skeptisch gegenüber, bevor sie das Quartet New Generation kennen lernte. " Ich nehme alles zurück, was ich jemals über Flötenmusik gesagt oder gedacht habe", sagte sie zu Beginn des Konzerts. Am Ende wird ihr mancher im Saal beigepflichtet haben. Wer hätte schon gedacht, dass ein altes, ja historisches Instrument wie die Blockflöte eine solche Vielfalt an neuen Klängen ermöglicht.
 
 
Brilliante Flötenstunde
"quartet new generation": Ungewöhnlicher Auftritt und frenetischer Applaus
Elvira Mrotzek, Penzberger Merkur
 
[...] Das mehrfach bei renommierten internationalen Kammermusikwettbewerben ausgezeichnete Quartett ließ alle Mühen vergessen, die es braucht, um mit dem Instrument "Flöte" so überzeugend neue Wege zu gehen wie in der in Iffeldorf mitreißend zelebrierten Art und Weise.
Den Alten Fritz in seinem wohltemperierten Sanssouci hätte es wahrscheinlich den Atem verschlagen bei diesem rasanten Auftritt: Das ganze Spektrum der Möglichkeiten im Spiel mit der Blockflöte wurde ausgereizt.[...]
 

AURA  - 20. April 2013 mit Klaus Feßmann, Friedeman Dähn, Alexander Lauterwasser, Württemb. Philharmonie Reutlingen
 

Sphärenmusik aus dem Nichts
Klangsteine, Wasserbilder, Streichquartett - ein unkonventionelles Meisterkonzert in Iffeldorf
Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung

[...]
Wie aus dem Nichts erwuchs die Musik zu farbigen Sphärenklängen und Clustern. Im zweiten Satz dominierten kurze zwei- bis viertönige Motive, die kanonartig durch die Stimmen wanderten zu immer neun Kombinationen und Ballungen. Der dritte Satz erinnerte im Mittelteil fast an ein barockes Concerto Grosso. Klaus Feßmann brachte dazu seine Steine zum Klingen, indem er sie mit der Hand in Schwingungen versetzte.
"AURA" ist ein anspruchsvolles, sperriges Werk von fast vierzig Minuten Dauer, doch das Publikum folgte konzentriert bis zum Schluss. Das war nicht zuletzt den Klangbildern zu verdanken, zauberhaften Visionen, die auf der Leinwand über den Musikern zu sehen waren. Perlende Bläschen, filigrane Strukturen und wolkenartig unscharfe Gebilde wechselten einander ab und harmonierten zur Musik.
Am Ende ein Moment ehrfürchtiger Stille - dann brach der Applaus los, der dem Komponisten Dähn, dem Klangstein-Virtuosen Feßmann und dem Wasserbild-Magier Lauterwasser gleichermaßen galt.
 
 
Alle Elemente vereint in Musik
Mit Friedemann Dähns "AURA" war im Gemeindezentrum ein Werk zu hören und zu sehen, das für Diskussion sorgte
Katrin Fügener, Penzberger Merkur
  
[...]
Nach der Pause dann die Herausforderung: Friedemann Dähn, Solocellist der Philharmonie, verbindet seit Jahren die Such nach neuen Ausdrucksformen der Musik mit Klaus Feßmann, Professor am Salzburger Mozarteum und, unter anderem, Meister der Klangsteine. Nun hat Dähn mit "Aura" seine Streicher mit dem Stein verbunden und ein Werk mit drei Sätzen komponiert, zu den Tonspektren verschiedener Steine. Dabei steht der Klang im Mittelpunkt. Einem leisen Regnen gleich setzen die Streicher ein, unterbrochen von feinen Pizzicato-Tropfen. Inzwischen hat der Wahl-Iffeldorfer Feßmann seine Hände befeuchtet und streicht behutsam über den schwarzen, glänzenden Granit und seine sorgsam gefrästen Rillen, bis dieser zu singen beginnt. Ein tiefer Ton mischt sich mit den Geigenklängen, archaisch, vibrierend, bis ins Innerste berührend. Er verschmilzt mit ihnen, verstärkt und erweitert sie. Das ist sakral, meditativ, fremdartig, anders. [...] Dähn hingegen verbindet die archaische Steinmusikmit dem weiten Spektrum der Streicher, lässt Violinen wie Fanfaren erklingen und mystisch sirren.
Optisch untermalt wird dieser Lautteppich vom Projektkünstler Alexander Lauterwasser. Die Mandalas, Batikmuster, Amöben, Quallen, sprudelnden und zirkulierenden Muster sind nichts anderes als die Reaktionen einer Wasseroberfläche auf die Musik, farbig beleuchtet und auf eine großformatige Leinwand projiziert. Wer sie sorgsam verfolgt, erkennt, dass das Cello Tröpfchen zum Hüpfen bringt, während Steine eher weite, ruhige Kreise ziehen. Manches Bild erinnert in Kombination mit der Musik an die gewaltigen Fensterrosetten einer alten Kathedrale.
[...]
 
 
 

BRass Ensemble München 23. Februar 2013


Paukenwirbel auf Bläser-Art
Heribert Muser, Penzberger Merkur
 
[ ] Mit dem 1909 von Richard Strauss komponierten "Feierlichen Einzug der Ritter des St. Johannis-Ordens" gelang den, von einer jungen Trompeterin verstärkten zehn Musikern des Münchener Spitzenorchesters ein glanzvoller Einstand. [ ]
Eine Verneigung vor dem einstigen Kapellmeister des BR-Orchesters, dem Dirigenten und Komponisten Jan Koetsier, war die perfekte Darbietung seiner dreisätzigen "Brass Symphony" von 1979 mit dem süffigen Blues als Mittelsatz. Im Jubiläumsjahr durfte Richard Wagner natürlich nicht fehlen. Auf seinen prachtvollen Einzugsmarsch der Gäste aus "Thannhäuser" folgte ein Highlight seines großen Verehrers Humperdinck, mit dessen "Abendsegen" aus "Hänselund Gretel" die Bläser die hohe Kunst getragenen Pianospiels zeigen konnten. Eine parodistische Hommage an den Bayreuther Meister gelang dem Süddtiroler Multitalent Robert Neumair mit frechen Anspielungen auf Motive aus den "Meistersingern von Nürnberg". Ein beherzter Ausflug in den Bereich der Filmmusik beendete das bunte Programm. Dafür begeisterter Beifall, der die erkennbar von der Iffeldorfer Konzert-Atmosphäre angetanen Künstler zu zwei Zugaben animierte.
Blechbläser sind von Haus aus eher lockere, humorvolle Typen. Das zeigt sich auch in ihrer Neigung, das Programm witzig zu kommentieren. Auf ihren Instrumenten werden die "BRass"-Leute jedem Vergleich mit ihren Kollegen vom philharmonischen "Blechschaden" gerecht. [ ]
 
Facettenreich
Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung
 
"BRass Ensemble" - das ist kein Schreibfehler, sondern ein Hinweis auf die Wirkungsstätte der zehn Herren und der einen Dame. Sie sind begeisterte Orchestermusiker im Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, doch vernachlässigen sie auch die Kammermusik nicht und haben sich deshalb vor zehn Jahren zu einem Bläserensemble zusammengeschlossen. Am Samstag ließ sich die Gruppe im voll besetzten Gemeindezentrum Iffeldorf hören.
Die Künstler übertrugen die Klang- und Ensemblekultur des Orchesters in die Kammermusik. Sie boten weiche, homogene Klänge, die aber zu enormen Steigerungen fähig waren, und jeder Musiker konnte bei Bedarf solistisch hervortreten. Das Programm erstreckte sich von Giovanni Gabrieli (1554-1612) bis zu Robert Neumair (geboren 1982). [ ]
Richard Wagner, einer der Jubilare dieses Jahres (sein Geburtstag jährt sich zum 200. Mal) war mit dem Einzug der Gäste aus "Thannhäuser" vertreten. Auch Robert Neumair bezog sich in seiner "Hommage" auf Wagner und ließ die Festwiese der "Meistersinger" ebenso anklingen wie das Siegfried-Leitmotiv. Auch zwei Nachfolger Wagners standen auf dem Programm: Richard Strauss und Engelbert Humperdinck. Die Bläser setzten den berühmten "Abendsegen" aus "Hänsel und Gretel" stimmungsvoll in Szene.
In eine ganz andere Richtung führten die "Brass Symphony" von Jan Koetsier und "A Londoner in New York" von Jim Parker. Beides sind eminent bläsergerechte Stücke, die den Klang der Blechinstrumente ausloten und mit frechen, schwungvollen Rhythmen das Publikum mitreißen. Als Zugabe "miaute" ein Blechbläser-Kater: "Mr. Jums" von Chris Hazell.
[ ]

 

Rezensionen zum Konzert Johannes Brahms - Gustav Mahler. Begegnungen in Text und Liedern am 22.10.2012

Symbiose voller  Leidenschaft

Mit einer Verbeugung vor den beiden Musikgenies Gustav Mahler und Johannes Brahms wurde das erste Jahr der neuen Generation der Iffeldorfer Meisterkonzerte beendet. In einer wunderbaren Symbiose aus Liedern von Brahms und Mahler – kraftvoll und mit Leidenschaft interpretiert von Bariton Michael Volle, stilvoll begleitet  von Sophie Raynaud am Klavier – durfte das Publikum eintauchen in die Welt der beiden vom Ansatz her so kontroversen Musiker. Dies ermöglichten vor allem die beiden Sprecher Hartmut Volle und Klaus Schultz.
Mit diesem Abend konnte Andrea Letzing, die neue Leiterin der Iffeldorfer Konzerte, ihr erstes Jahr als Nachfolgerin von Egbert Greven mit berechtigtem Stolz abschließen: Ihr und ihrem Team ist es gelungen, der Konzertreihe neue Impulse zu geben, wieder musikalische Vielfalt nach Iffeldorf zu holen, das Stammpublikum zu halten und zu begeistern und darüber hinaus für die Musik neue Freunde zu gewinnen.
(Elvira Mrotzek, Penzberger Merkur)

 

Zwei Brüder - zwei Meister. Gelungener Abend mit Michael und Hartmut Volle

...in kenntnisreicher und witziger Moderation brachten beide Sprecher die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten zwischen Brahms und Mahler auf den Punkt. Dabei war Klaus Schultz hauptsächlich für Brahms zuständig, während Hartmut Volle sich um Mahler kümmerte.
Die Lieder von Brahms und Mahler waren geschickt ausgewählt und auf die Lebenssituationen der Komponisten bezogen. Michael Volle sang mit mächtiger, raumgreifender Opernstimme voll metallischem Glanz, wusste aber auch fein zu schattieren und den Text klar zu vermitteln. Besonders gut gelangen dem Sänger die dramatischen Lieder: "So tönet denn, schäumende Wellen" von Brahms oder "Revelge" von Mahler. Er gestaltete aber auch die humoristischen Lieder wie "Selbstgefühl" oder "Des Antonius von Padua Fischpredigt" witzig und pointiert.
Hervorgehoben sei die Leistung von Sophie Raynaud am Klavier. Die Künstlerin war mit ihrer kompetenten, unaufdringlichen Begleitung eine Klavierpartnerin, wie sie sich ein Sänger nur wünschen kann, und sie meisterte souverän die beachtlichen Anforderungen der Klavierparts von Brahms und Mahler. Wo es sein musste, langte sie auch kräftig in die Tasten, denn einen Michael Volle kann man nicht so leicht zudecken...
(Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung)

Rezensionen zum Sonderkonzert Bach in Jazz am 30.09.2012

Leipziger Allerlei

800 Jahre Thomaskirche, Thomasschule und Thomanerchor - Leipzig hat heuer Grund zum Feiern. Und die Musiker tragen die Festivitäten in die Lande. Auch nach Iffeldorf, wo am Sonntag der Leipziger Tenor Martin Petzold mit dem Stephan König-Trio zu Gast war. „Bach in Jazz“ lautete der Titel des Abends, im Publikum saß kein Geringerer als Thomaskantor Georg Christoph Biller.
Stephan König, der Spiritus rector des Trios [ ] verfügt über eine erstaunliche stilistische Bandbreite. Er verstand es, Arien und Instrumentalsätze Bachs sinnfällig zu arrangieren und mit der musikalischen Sprache der Gegenwart anzureichern. [ ]
Mit Thomas Stahr (Bass und E-Gitarre) und Wieland Götze (Schlagzeug) standen dem Pianisten zwei kongeniale Mitstreiter zur Seite. [ ]
Martin Petzold gestaltete seine Arien betont klassisch, mit schön geführter, höhensicherer Stimme, in der Diktion an Peter Schreier erinnernd. [ ]
Insgesamt ein rundum gelungener Abend, bei dem der Sänger ebenso wie die Instrumentalisten ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellten. Einige Besucher waren skeptisch ins Konzert gekommen, doch auch sie ließen sich überzeugen und stimmten in den allgemeinen Applaus mit ein.
(Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung)

 

Bach auf die jazzige Art - keine Blasphemie sondern ein Fest

Die Musiker aus Leipzig mit Pianist und Dirigent Stephan König, Thomas Stahr vom Gewandhausorchester am Kontrabass und Wieland Götze am Schlagzeug fegten schon beim Einstieg mit Bachs „Italienischem Konzert“ alles Skepsis hinweg. Stattdessen gab es die ersten Bravo-Rufe. Als Tenor Martin Petzold auf die Bühne kam, zeigte sich, wie virtuos Leipziger Musiker mit Johann Sebastian Bach umzugehen wissen: Wer so tief wie sie mit Bach und seiner Musik verwurzelt ist, vermag auch an die Grenzen zu gehen, gar darüber hinaus – und kann Bach mit den Stilmitteln des Jazz begegnen, ohne Blasphemie zu begehen. [ ] Dazu Martin Petzold mit seinem in allen Höhen modulier- und ausdrucksfähigen, dramatischen Tenor und seiner hörbar gelebten Liebe zum Komponisten – das ergab eine faszinierende, mitreißende Begegnung mit den Werken des großen Thomaskantor.
(Elvira Mrotzek, Penzberger Merkur)

Rezensionen zum Konzert Schlag Sieben am 17.06.2012

Perfekte Klangkunst - auch auf vier großen Schachteln

...Ehe am Sonntag also elf Deutsche in Lemberg kickten, spielten im voll besetzten Gemeindezentrum Iffeldorf vier Münchner Philharmoniker. Das Ergebnis vorweg: Das Spiel in Iffeldorf war nicht nur das schönere - es war auch ebenso erfolgreich (und sogar bejubelt) wie das bei der Fußball-EM in der Ukraine.
"Schlag sieben" lässt schon die außergewöhnliche Aufstellung ahnen: Hier waren die philharmonischen Schlagzeuger zugange, vier agile Männer in Schwarz, die viel Spielwitz und fast 100 Instrumente mitbrachten. Um sechs Werke zu interpretieren, die sich ein Normalhörer niemals zu Hause auf CD zu Gemüte führen würde - und die live doch jeden mitrissen.
Was im Orchester aus der letzten Reihe tönt, stand hier im Rampenlicht und nahm die ganze Bühne ein. Das Auge hörte also mit, nicht nur beim Solo des jungen Sebastian Förschl, der die Rumba-Rasseln bei einer Komposition des 1956 geborenen Mexikaners Javier Alvarez Performance-gleich schwang, bis hin zum (inszenierten) Sturz von der Bühne vor die Füße der Besucher in der ersten Reihe.
Auch Förschls Kollegen hatten ihre besonderen Auftritte: Jörg Hannabach bei einem experimentellen Vibraphon-Solo aus der Feder von Christopher Deane, der die Metallplatten teils mit Kontrabassbögen streichen läßt, war irritierende Oberton-Schwingungen erzeugt. Stefan Gagelmann begeisterte als Solist bei "Marimba Spiritual". einem Werk des Japaners Minori Miki aus dem Jahr 1984, das in Melodie und Puls einen fast hypnotischen Sog entwickelt und ungeheure Energien freisetzt.
Guideo Rückel, der vierte im Bunde der philharmonischen Schlagwerker, erklärte Werke und Instrumente in kurzen, so gewitzten wie kundigen Ansagen. Das half, um auch Experimentelles wie "Third Construction" von John Cage verstehen und genießen zu können. Neben lautmalerischen Instrumenten wie dem "Löwengebrüll" und einer imposanten Glasmuschel kommen darin 20 verschiedene, im Eigenbau aufeinander abgestimmte Blechbüchsen zum Einsatz. "Ein Schlagzeuger", so Rückel, "muss immer auch in gewisser Weise Handwerker sein." Wie Kriegsgetrampel wirken die Klänge von Cage bisweilen. Doch der Applaus danach war tatsächlich noch lauter.
Vielleicht war das ein gewagtes Meisterkonzert - ganz sicher ein gelungenes. Am Ende "Bravo"-Rufe, heftiger Beifall, rhythmisches Trampeln von jungen und alten Besuchern. Als Antwort darauf die Zugabe "Boxing day", gespielt auf vier Schachteln. Dass um diese Zeit in Lemberg schon 20 Minuten Fußball gespielt worden war, kratzte im Iffeldorfer Gemeindezentrum in diesem Moment übrigens niemanden.
(Magnuns Reitinger, Penzberger Merkur - 19.06.2012)

Rezensionen zum Konzert des Ensemble Harmonie am 06.05.2012

Mit Siebenfacher Harmonie in die Herzen
"Auf Harmonie gesetzt" haben nun auch die Iffeldorfer Meisterkonzerte. Unter diesem Titel gastierte im gut besuchten Gemeindezentrum am Sonntagabend das "Ensemble Harmonie" um den Klarinettisten Harald Harrer, der dem bekannten "Arcis Quintett" angehört und Professor am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg ist: sieben exquisite, zum Teil beim renommierten ARD-Wettbewerb ausgezeichnete Instrumentalisten, die aus einiger Entfernung zusammenkamen, um Harmoniemusik auf höchstem Niveau zu pflegen. Georg Arzberger ist stellvertretender Soloklarinettist an der Deutschen Oper Berlin. Die beiden Fagottisten wirken in Augsburg - Karsten Nagel als Professur am Leopold-Mozart-Zentrum, Leonhard Hause am Stadttheater. Die Hornisten Franz Draxinger und und Wolfram Sirotek sowie Kontrabassist Adreas Riepl sind Mitglieder der Bayerischen Staatsoper in München. Gemeinsam boten sie einen Abend vollendeter Harmonie: frisch wie das Grün, das durch die Panoramafenster grüßte die Bläserversion von Mozarts "Zauberflöten"-Ouvertüre; romantisch melodieselig das Sextett des französischen Komponisten Castil-Blazé (1784-1857); virtuos Carl Maria Webers "Adagio und Rondo". Ein Frühlingsprogramm, das mit keinem Wort erklärt werden musste und direkt in die Herzen der Zuhörer traf.
(Magnuns Reitinger, Penzberger Merkur - 12.05.2012)

Rezensionen zum Konzert des Klavierduos Alessandra Gentile und Cord Garben am 18.03.2012

Lohnendes Wagnis
Liszts Traum wird in Iffeldorf wahr.

Mut zum Ungewohnten bewies Andrea Letzing, die neue Leiterin der Iffeldorfer Meisterkonzerte, zum Auftakt der neuen Reihe in diesem Jahr: Zusammen mit den beiden Ausnahmepianisten Alessandra Gentile und Cord Garben ließ sie im Gemeindezentrum einen Traum verwirklichen, den einst Franz Liszt träumte, aber damals wegen technischer Schwierigkeiten nicht umsetzen konnte.
Die beiden spielten in einer Erstaufführung auf zwei Flügeln Liszts Symphonie zu Dantes "Divina Commedia" in der Bearbeitung des Komponisten. Dazu gab es per Videowand die vom Illustrator Gustave Doré geschaffenen Szenenbilder, die eindringlich die Geschichte der Göttlichen Komödie des Italieners untermalten. Mit brilliantem, leidenschaftlichem Spiel führten die beiden Künstler am Klavier in das "Inferno", das Liszt einst mit bedrohlich wirkender Musik gestaltete, die gleichwohl immer wieder aufgehellt wird durch die romantische Liebesmelodie, die letztendlich auch hinführt zur positiven Auflösung der dramatischen Erzählung.
Ebenso dramatisch gestaltet waren die von Hermann Behn für zwei Klaviere bearbeiteten sechs sinfonischen Sätze aus Richard Wagners Opus "Walküre". Gewittersturm, der Ritt der Walküren, sowie schließlich Wotans Abschied und Feuerzauber kamen in zum Teil bekemmendem Tastenwirbel, aber auch hervorragend interpretieren, leisen Partien wunderbar zum Tragen.
Für die Organisation mit und um Andrea Letzing lohnte sich das Wagnis um dieses Konzert: Das Publikum lohnte den Einsatz mit zustimmendem Applaus.
(aus Das Gelbe Blatt vom 24.03.2012)

Klavierduo experimentiert in Iffeldorf mit Bild und Ton.
Manchmal dauert es bis eine Idee Wirklichkeit wird. Bei Franz Liszt sogar mehr als 150 Jahre. Der Komponist plante 1859 ein Konzert, bei dem die Klavierduo-Fassung seiner Dante-Sinfonie mit Bildern illustriert werden sollte. Scheiterte der Versuch auch an den technischen Möglichkeiten, so inspirierte er doch den Zeichner Gustave Doré zu seinen visionären Holzschnitten über die "Göttliche Komödie".
Der Pianist Cord Garben und seine Kollegin Alessandra Gentile griffen diese Liszt-Idee auf. Im Rahmen der Iffeldorfer Meisterkonzerte wagten sich die beiden an das Werk und ließen dazu eine Auswahl der Doré-Bilder mit modernster Beamer-Technik projizieren. Um den Blick auf die Leinwand nicht zu versperren, waren die beiden Flügel parallel aufgebaut. Daher saßen die beiden Pianisten wie beim vierhändigen Spiel nebeneinander, was die Verständigung durch Blickkontakt erschwerte. Dennoch meisterten die beiden das mit technischen Schwierigkeiten gespickte Werk bravourös...
(Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung)

Ein musikalisches "Inferno", das neue Perspektiven eröffnet.
Was Franz Liszt einst nicht gelang, gelang jetzt in Iffeldorf. Beim ersten Meisterkonzert dieses Jahres wurde die Vision des 1886 verstorbenen Komponisten umgesetzt, seine Musik zu Dantes "Göttlicher Komödie" ("Divina Commedia") mit Bildern des Zeichners Gustave Doré auf der beigestellten Leinwand zu illustrieren...Das Publikum...durfte am Sonntagabend dabei sein, als zum ersten Mal die von Franz Liszt selbst erarbeitete Fassung für zwei Konzertflügel erklang...Damit eröffnete Andrea Letzing, die neue Leiterin der Konzertreihe, dem Publikum neue Perspektiven der ungeheuren Vielfalt der klassischen Musik. Das ist wohltuender Mut als Contra zum Allerweltsgesäusel der bekanntesten "Klassiker".
Mit dem renommierten Cord Garben, der schon Brigitte Fassbaender begleiten durfte, und der unverbrauchten Alessandra Gentile aus Perugia, saßen zwei virtuose Künstler an den Klavieren, die sämtliche Register zogen...Beide Künstler teilten sich stimmig die Noten, Garben als versierter Lehrer, Dirigent und Liedbegleiter immer mit Blick auf die junge Kollegin, die virtuos und ungestüm alle Schwierigkeiten von den Tasten fegte und dann wieder elegant die leisen Töne anspielte.
Nachdem der letzte Ton verklungen war, musste das Publikum erst tief durchatmen, ehe der Jubel losbrach. Das wiederholte sich nach der Pause mit der Interpretation von sechs sinfonischen Sätzen aus Richard Wagners "Walküre"...Mit neuer, musischer Inspiration gelang ein imponierender Abend.
(Elvira Mrotzek, Penzberger Merkur)