Sehr verehrtes Publikum,
 

junge Musiker zu fördern ist in unserer Satzung als eines der Hauptanliegen festgelegt. Daher steht das Programm der Iffeldorfer Meisterkonzerte 2018 ganz im Zeichen herausragender  junger Künstler und einer neuen Musikergeneration, die ich Ihnen in diesem Konzertjahr gerne vorstellen möchte und die ihr Leben ganz in den Dienst der Musik gestellt haben.
 

Wenn ich mich allerdings in der Welt aktuell umschaue, dann frage ich mich eher: braucht die Welt heute noch Musik? Vor allem bräuchten wir wohl die Abwesenheit von Angst, dazu verantwortungsvolle Vertreter von Politik und  Wirtschaft. In unserem Innersten wissen wir alle, was wir wirklich suchen: Frieden, Wahrheit, Schönheit, Liebe. Und all das finden wir, wenn wir Musik hören oder machen! Musik zu machen ist die Abwesenheit von Angst. Immer wieder in der Geschichte kann man das finden. Laut zu singen half, wenn man als Kind in den dunklen Keller musste. Die Neurologen  können das inzwischen sogar genau wissenschaftlich erklären. Wie schön, dass auch die nächste Generation Musik zu ihrem Lebensinhalt macht und versucht, davon zu leben.

Eine „Jahrhundertstimme“ nennt der renommierte Klavierbegleiter Eric Schneider, der eine Professur an der Berliner Musikhochschule innehat, den Bariton Michael Daub. Ein junger Mann, der nicht mit seiner Internetpräsenz beschäftigt ist, sondern mit der Musik. In vieler Hinsicht erstaunlich.

Sonderkonzert hätten wir es früher genannt, das etwas aus dem Rahmen fallende Programm von „Passo avanti“. Einen Schritt voraus sind die vier jungen Musiker, die einfach großartig Alt und Neu verschmelzen lassen und sicher alle im Saal mitreißen. Man kann sich ihrem Charme und ihrer Musikalität einfach nicht entziehen.

Manchmal ist Musik nicht nur die Abwesenheit von Angst, sondern auch eine Möglichkeit, die Realität erträglich zu machen. Umso mehr freut es mich, dass wir dem Ukrainischen Kammerorchester hier in Iffeldorf eine Plattform geben können. Zusammen mit dem berühmten Geiger Valeriy Sokolov werden sie uns sicher einen wunderschönen Abend schenken.
 

Simon Höfele hat mit seinen 23 Jahren schon eine steile Karriere hinter - und sicher auch noch vor - sich. Begleitet von der nicht minder genialen Magdalena Müllerperth erwartet uns ein musikalisches Feuerwerk für Trompete und Klavier. Simon Höfele gründete darüber hinaus den Verein „Kunstverlust“. „KunstLUST statt Kunstverlust“ steht auf der Internetseite. Und weiter: „Mit der Kulturinitiative „Kunstverlust“ setzen wir uns für die Stärkung kultureller Bildung, die Wertschätzung künstlerischer Arbeit und gegen den Kulturabbau in Deutschland ein!“  Das unterstütze ich hier von Herzen gerne!

Wettbewerbe zu gewinnen ist nach wie vor ein wichtiger Schritt im Leben eines jungen Musikers. Zu den renommiertesten Wettbewerben gehören seit Jahrzehnten der ARD Wettbewerb und der Mozarteums Wettbewerb. Letzterer ist ein offener Wettbewerb für Instrumente aller Arten und wurde in diesem Jahr erstmals seit über 10 Jahren wieder von einem Gitarristen gewonnen. Der bekannte ARD Wettbewerb ist jedes Jahr für andere Instrumente ausgeschrieben, 2017 zufällig auch für Gitarre. Was für eine tolle Gelegenheit, gleich zwei Preisträger zu hören: Pedro Aguiar (Mozarteums Wettbewerb 2017) und Davide Giovanni Tomasi (ARD Wettbewerb 2017).
 

Vater und Sohn Prégardien in Iffeldorf zu haben, hat eigentlich den ursprünglichen Impuls zur Programmauswahl 2018 gegeben. Christoph Prégardien war einer der tenoralen „Evangelisten- Schwärme“ meiner Jugend. Zwei Generationen auf der Bühne, das ist nicht nur ein Geschenk an das Publikum, es ist auch ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung und Hochachtung der Künstler.
 

Eine weitere schöne Synthese von „Alt und Jung“ ist das Konzert mit Alfredo Bernardini, einem der großen Oboisten der Alten Musik, und dem jungen Münchner Barockorchester „MUNICH BAROQUE“. Erfahrung und Kompetenz treffen Feuer und Motivation. Heraus kommt Begeisterung auf höchstem Niveau!
 

Konzertreihe mit Aussicht
 

Wissen Sie eigentlich, dass ich Sie als „Publikum des Jahres“ vorgeschlagen habe?  Nicht nur deshalb, weil viele von Ihnen schon seit mehr als 25 Jahren AbonnentInnen unserer Konzerte sind oder weil Sie ununterbrochen von unseren Künstlern im Gästebuch gelobt werden, sondern auch, weil Sie sich dafür ausgesprochen haben, die Iffeldorfer Meisterkonzerte als einzige Konzertreihe der Welt mit wechselnden Anfangszeiten zu Gunsten eines (hoffentlich spektakulären) Sonnenuntergangs zu erleben. Für mich hat unser Konzertsaal neben einer hervorragenden Akustik auch den schönsten Ausblick Bayerns, Deutschlands, der Welt….
 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen schönes Wetter, tolle Konzerte, Frieden und den jungen Musikern Mut und Erfolg!
 

Ihre

Andrea Fessmann