Sehr verehrtes Publikum,
 

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Musikalisch gesehen entspricht dieser Satz Martin Luthers einem „Tobe Welt und springe: ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh‘....“, wie ihn Johann Sebastian Bach in seiner Motette „Jesu, meine Freude“ komponiert hat. Wir haben das große Privileg und das Glück, Musik hören und machen zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Das ist heute in der Welt nicht selbstverständlich.
 

Auch, dass wir in unserem kleinen Iffeldorf so große Namen wie Bruno Ganz und in diesem Jahr Isabelle Faust, Dorothee Mields, Susanne Bernhard oder Anna Gourari ( eine „alte Bekannte“ bei den Meisterkonzerten) begrüßen dürfen, ist nicht selbstverständlich. Ein herzliches „Vergelt‘s Gott“ allen, die dazu beitragen! Gemeinsam ist diesen großen Künstlern nicht nur ihre Genialität, sondern auch ihr großes Feuer im Musizieren und ein tiefes humanes Denken. Ohne Empathie gäbe es keine gute Musik, Zusammen-musizieren wäre undenkbar. Sehr deutlich wird diese Haltung bei Ensembles wie dem Stephan König Jazz-Quartett oder dem Modern String Quartet: hier erleben Sie Empathie auf höchstem Niveau. Aufeinanderhören, Miteinanderatmen, Ineinanderspielen, feinste nonverbale Kommunikation zur Perfektion gebracht. L‘Accademia Giocosa ist ein weiteres Beispiel für höchste Musizierkunst und wird Sie den Jubilar des Jahres 2017, Georg Philipp Telemann, ganz neu erleben lassen. Für mich war ihre Telemann CD ein besonderes Highlight. MusikerInnen wie Kristin von der Goltz, Saskia Fikentscher oder Leon Berben stehen oft im Hintergrund, in Wirklichkeit sind sie es aber, die die Musik tragen und beflügeln. Man muss kein Profi sein, um diesen Unterschied zu spüren.
 

Harmonie bildet die Grundlage unserer klassischen Musik. Die venezianische Mehrchörigkeit hat diese Harmonie zur Vollendung gebracht, weil sie den Raum von allen Seiten in Klang hüllt. „3 D“ würde man heute sagen, oder „ Dolby Surround“: Klangfülle aus allen Richtungen. Der auf Mehrchörigkeit spezialisierte Lassus- Chor stimmt Sie mit venezianischer Musik auf Weihnachten ein.
 

Harmonie ist aber auch die Grundlage jedes menschlichen Zusammenlebens. Verantwortung übernehmen, nicht wegschauen, empathisch sein, „aufeinander hören und miteinander atmen“ sagen die Musiker. Musik machen und Musik hören öffnet den Raum in Schönheit, macht das Herz weich und die Seele glücklich.
 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wunderschöne Hörerlebnisse und alles Gute
Ihre

Andrea Feßmann